Wie ein Norweger die deutsche Gasversorgung retten soll

Der Reeder Morton Höegh schickt drei schwimmende Flüssiggasterminals nach Deutschland. Die erste Anlage eröffnet er gemeinsam mit Bundeskanzler Scholz.

Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) stehen vor dem Spezialschiff „Hoegh Esperanza“.
Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) stehen vor dem Spezialschiff „Hoegh Esperanza“.AP/Michael Sohn

Die Geschichte klingt fast zu gut, um zu wahr zu sein. Die Idee zur Rettung der Bundesrepublik vor dem Gasnotstand will dem norwegischen Reeder Morton Höegh beim Workout eingefallen sein. Er schalte am 27. Februar den Nachrichtensender CNN ein, während er auf dem Laufband schwitzte. Der Kanal übertrug die Zeitenwende-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag.

Scholz verkündete drei Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar den Einstieg in den Abschied von Russlands Gaslieferungen an Deutschland. Die Bundesrepublik werde so schnell wie möglich Flüssiggasterminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven bauen, verkündete Scholz. 

Die Schiffe sind schneller

Höegh, so berichtet es der Spiegel, habe seine Chance sofort erkannt. Seine Reederei Höegh LNG verfügt über schwimmende Flüssiggasterminals. Sie müssen einfach einen Hafen ansteuern, um dort das auf minus 162 Grad zu einer Flüssigkeit heruntergekühlte Gas zu erwärmen und es in das Fernnetz einzuspeisen. Höegh informierte seine Mitarbeiter. Sie stellten den Kontakt zu deutschen Energieversorgern her. Wenig später begannen die Verhandlungen.

Höegh hat schon einmal einem Land dabei geholfen, die Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland zu reduzieren. Litauen wurde nach der russischen Annexion der Krim 2014 bewusst, dass sein Nachbar im Osten dem Land schnell den Gashahn zudrehen könnte. Der baltische Staat bezog vor der Krimkrise Gas ausschließlich über Pipelines aus Russland.

Spezialschiff „Höegh Esperanza“ während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven
Spezialschiff „Höegh Esperanza“ während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshavendpa/Sina Schuldt

Die Reederei half Litauen

Die Litauer charterten ein schwimmendes Flüssiggasterminal von Höegh LNG. Sie waren bereit, für eine Alternative zu den russischen Gasimporten pro Tag 189.000 Dollar zu bezahlen. Die Rechnung ging für Litauen auf. Der russische Gasversorger Gazprom senkte trotz zunehmender Spannungen den Preis. Litauen kappte seine Gasimporte aus Russland nach dem Angriff auf die Ukraine komplett. Es versorgt nicht nur sich, sondern auch die baltischen Nachbarn Estland und Lettland über das „Independence“, auf Deutsch „Unabhängigkeit“, genannte Schiff der Höegh-Reederei. 

Die Reederei des 49-jährigen Norwegers ist ein Familienunternehmen. Morton Höeghs Großvater Leif stieg 1927 ins Geschäft ein. Das Unternehmen orderte 2006 zwei schwimmende Flüssiggasterminals in Südkorea. Es betreibt zehn von weltweit 45 LNG-Terminal-Schiffen. Die Bundesrepublik chartert nun drei Schiffe für Deutschland. Sie sollen 20 Prozent des deutschen Bedarfs decken. Die Kosten sollen laut der Reederei zwei Prozent des Gaswerts betragen. Das für Wilhelmshaven vorgesehene schwimmende Terminal hat den spanischen Namen „Esperanza“, auf Deutsch „Hoffnung“.