Koblenz - Es ist Tag eins nach der Vereidigung von Donald Trump, und das gibt der Zuversicht und der guten Laune der in der Rhein-Mosel-Halle versammelten Gemeinschaft der AfD-Gläubigen einen zusätzlichen Schub. Also begrüßt der erste Redner am Samstagmorgen, Markus Pretzell, die Stargäste in der ersten Reihe – seine Parteichefin und Ehefrau Frauke Petry, Marine Le Pen vom Front National und Geert Wilders (Partij voor de Vrijheid, Niederlande) – forsch als die „neuen Staats- und Regierungsechefs von Europa“. Das wird sich durch den Tag ziehen wie ein roter Faden: Die nächste Präsidentin Frankreichs, die Bundeskanzlerin in spe, und so weiter.

Pretzell, NRW-Landeschef der AfD und Europaabgeordneter, hat das Treffen organisiert, es soll zeigen: Wir Rechtspopulisten halten zusammen, auch über Ländergrenzen hinweg. 350 Journalisten und Kamerleute auf der überfüllten Empore schauen aus sicherem Abstand wie interessierte Ethnologen auf die 700 Besucher, „diesen Saal voller deutscher Patrioten“, wie Geert Wilders es nennt. Pretzell gibt sich in seiner Rede für AfD-Verhältnisse moderat europakritisch, sagt „Ja“ zum Binnenmarkt, aber „Nein“ zur Gemeinschaftswährung. Man müsse bestimmte Schritte der europäischen Integration, „die zu weit gegangen sind, wieder zurückdrehen.“ Aber auch er stellt Behauptungen auf, die keinem Faktencheck standhalten. Etwa, dass die Zusammenkunft in der Rhein-Mosel-Halle zahlenmäßig jenen überlegen sei, „die draußen in der Kälte demonstrieren“. Das sind nach Polizeiangaben 5000 Menschen, deren Sambatrommeln und Trillerpfeifern aber von den Beamten und vielen Absperrgittern auf Distanz gehalten werden und außer Hörweite bleiben.

„Einer Tyrannei unterworfen“

Marine Le Pen – ihre französische Rede wird deutsch untertitelt – spielt rhetorisch in einer anderen Liga als Pretzell, eine Demagogin mit Charme und überschießendem Temperament. Sie beschwört, „die Rückkehr der Nationalstaaten, die die Globalisierung zu zerstören versucht hat“ und trägt ihre zweckoptimistische Domino-Theorie vor: Der Brexit und die Trump-Wahl waren demnach nur das erste und zweite Steinchen. „2016 ist die angelsächsische Welt erwacht“, ruft Le Pen, „der europäische Kontinent wird 2017 folgen!“ Alle Völker Europas seien „einer Tyrannei unterworfen“, und die Einwanderungspolitik von Madame Merkel sei – natürlich – „une catastrophe“.

 Die „Fremd-im-eigenen-Land“-Leier

Während sich Le Pen, um die Verbürgerlichung ihres Front National bemüht, expliziten Rassismus verkneift, vor allem Sicherheitsbedenken gegen die „Migrantenströme“ ins Feld führt, ist Geert Wilders eine Spur härter drauf. Nachdem er melonenbreit grinsend dem neuen US-Präsidenten gratuliert hat, springt er schnell zu seinem Lieblingsthema, der bevorstehenden „Islamisierung“ Europas. Es ist die Pegida-kompatible „Fremd-im-eigenen-Land“-Leier, vorgetragen in einem Stakkato hämmernder, kerniger Hauptsätze. Wilders wechselt zwischen blumigen Appellen („Wir wollen, dass unsere Heimat unsere Heimat bleibt!“) und blankem Unsinn („Frauen haben Angst, ihr blondes Haar zu zeigen“). Und er zitiert Alexander Solschenyzin, weil er sich selbst ebenfalls als Dissidenten sieht, als Mann, dem die holländischen Mainstream-Parteien den Mund verbieten wollen. „Aber ich werde meinen Mund nie halten!“ Seine Das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Inszenierung trifft offenbar einen Nerv bei den Zuhörern, sie feiern Wilders mit minutenlangem Applaus.

Hinkender Vergleich

In puncto Rassismus legt Matteo Salvini von der Lega Nord noch einen drauf. „Ganze Völker werden skrupellos durch unkontrollierte Einwanderung ausgetauscht“, behauptet der Italiener, eine steile These, die die Bundeskanzlerin in spe später in ihrer Rede ebenfalls auftischt („planlose Bevölkerungsumschichtung“). Dr. Frauke Petry – Moderator Martin Schiller, ein Parteifreund aus Münster, attestiert ihr immerhin „messerscharfe Intelligenz“ – vergleicht dann auch noch den Zustand der EU mit jenem der Sowjetunion im Endstadium. Was soll’s, die AfD-Vorsitzende ist eben promovierte Chemikerin, da muss sie nichts von Geschichte verstehen.