Köln - Während des Auftritts des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan soll es am Samstag auf dem Außengelände der Lanxess-Arena kein „Public Viewing“ geben. Das Gelände wird mit Sichtschutzzäunen weiträumig abgesperrt und es dürfen nur Besucher mit Eintrittskarten in den Bereich. Großbildschirme auf den umliegenden Wiesen seien zudem nicht beantragt worden, sagte Stadtsprecherin. „Und jetzt ist es zu spät, weil wir das notwendige Sicherheitskonzept bis Samstag nicht mehr prüfen können.“

Die Polizei richtet sich derweil auf einen Großeinsatz ein. Die Alevitische Gemeinde plant für diesen Samstag zu Erdogans Auftritt in Köln eine Kundgebung mit Zehntausenden Teilnehmern. Ein Sprecher der Alevitischen Gemeinde rechnet mit mehr als 30.000 Menschen bei der Gegenveranstaltung zum Erdogan-Besuch in Köln. Die Teilnehmer kämen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Holland, Frankreich, Österreich und der Schweiz, um friedlich zu demonstrieren. Der in der Türkei offiziell nicht anerkannten liberal-islamischen Glaubensgemeinschaft der Aleviten gehören in Deutschland etwa 750 000 Menschen an. Sie besuchen keine Moscheen und legen den Koran nicht wörtlich aus. Männer und Frauen gelten als gleich.

Morddrohungen gegen „Spiegel“-Reporter

Die Organisatoren des Erdogan-Auftritts - die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) - erwarten zehntausende Anhänger am Rhein. Ein Aufeinandertreffen von Anhängern und Gegnern Erdogans soll verhindert werden.

„Spiegel“-Korrespondent Hasnain Kazim sieht sich derweil Anfeindungen bis hin zu Todesdrohungen ausgesetzt. Er habe inzwischen rund 10.000 E-Mails, Tweets und Facebook-Nachrichten erhalten, sagte der Journalist der dpa. Darunter seien Drohungen wie „Wenn wir Dich auf der Straße sehen, schneiden wir Dir die Kehle durch“.

Auf Twitter hatte unter dem Hashtag #ScherDichZumTeufelDerSpiegel eine Kampagne gegen ihn und das Magazin begonnen. Kazim hatte einen Bergmann nach dem Unglück in Soma in einer Überschrift bei „Spiegel Online“ vor einer Woche mit den Worten zitiert: „Scher Dich zum Teufel, Erdogan!“ Regierungsanhänger und regierungsnahe Medien erweckten danach den Eindruck, „Der Spiegel“ selber wünsche Erdogan zum Teufel.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte empört auf die Morddrohungen. „Es ist unerträglich, dass Parteigänger Erdogans mit Einschüchterungen versuchen, die Pressefreiheit abzuschaffen“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

Erdogan-Berater krankgeschrieben

Der bei Tritten gegen einen Demonstranten in Soma gefilmte Erdogan-Berater Yusuf Yerkel ist Medienberichten zufolge für eine Woche krankgeschrieben. Yerkel habe sich das rechte Bein verletzt, berichteten türkische Medien. Sein Angriff nach dem Grubenunglück hatte Kritik am Verhalten der Regierung verschärft. Yerkel entschuldigte sich später.

Beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte des Landes waren in der vergangenen Woche nach Angaben der Regierung 301 Menschen getötet worden. Die Polizei nahm weitere Mitglieder der Unternehmensführung der Betreibergesellschaft Soma Holding fest, darunter der Vorstandsvorsitzende Can Gürkan. (dpa/det/ccp)