Panikkäufe am Freitag in Istanbul.
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AnkaraDas türkische Innenministerium hat am späten Freitagabend kurzfristig eine weitgehende Ausgangssperre wegen der Corona-Krise in 31 Städten beziehungsweise Provinzen verhängt, darunter in den Metropolen Istanbul, Ankara und Izmir.

Am Abend war es deshalb zu Panikkäufen und Menschenansammlungen in den betroffenen Städten gekommen. Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, die Menschen durch den verunglückten Start der Maßnahme einer erheblichen Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu haben.

Die Kommunikation der Behörden war scharf kritisiert worden, weil die Maßnahme erst zwei Stunden vor Beginn der Frist bekannt wurde und Details der Regelung zunächst unklar waren.

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu bleibt trotzt seines erklärten Rücktritts weiter im Amt. Präsident Recep Tayyip Erdogan habe das Gesuch seines Innenministers nicht angenommen, Soylu werde «seine Aufgabe weiter ausführen», teilte Erdogans Büro am Sonntagabend mit.

Zuvor hatte Soylu wegen einer kurzfristig angekündigten Ausgangssperre angesichts der Corona-Krise und dem anschließenden Chaos seinen Rücktritt eingereicht. Er übernahm in seiner Rücktrittserklärung die volle Verantwortung für die Maßnahme. «Ich trenne mich von meinem Innenministeramt, das ich mit Stolz ausgeführt habe», schrieb Soylu. Er bat zudem das türkische Volk und Erdogan, «dem ich bis ans Ende meines Lebens treu sein werde, um Vergebung.

Soylu war kurz nach dem Putschversuch vom Juli 2016 zum Innenminister ernannt worden.

Die Bevölkerung hielt sich am Wochenende weitestgehend an das Ausgangsverbot in 31 Städten. Nur wenige Bürger hätten gegen die Maßnahme verstoßen, teilte das Innenministerium am Sonntag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit.

In der Millionenmetropole Istanbul waren am Samstag und Sonntag bei frühlingshaftem Wetter laut dpa die Plätze menschenleer, Straßen fast autofrei und Wohnviertel ungewöhnlich still. Bilder aus anderen betroffenen Städten zeigten ähnliche Szenen.

Brot und Wasser durften aber auch am Wochenende ausgeliefert werden.Wichtige Einrichtungen wie Kliniken und Apotheken blieben offen.

Die Türkei hatte vor rund einem Monat ihren ersten Coronavirus-Fall gemeldet. Am stärksten betroffen ist nach offiziellen Angaben Istanbul. Gesundheitsminister Fahrettin Koca teilte am Sonntag via Twitter mit, die Zahl der Infizierten sei auf 56 956 gestiegen. In 24 Stunden seien zudem 97 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesopfer auf 1198. Mehr als 3000 Menschen hätten sich erholt, hieß es.

Die Regierung hat bereits zahlreiche Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erlassen. Unter anderem gilt eine weitgehende Ausgangssperre für Menschen unter 20 und ab 65 Jahren.