Vor einigen Tagen beantragte der Generalstaatsanwalt der Türkei das Verbot der HDP, einer progressiven, pro-kurdischen Partei, und nein, sie ist nicht ein Flügel der PKK, wie der Autokrat Erdogan immer behauptet. Sie ist ein Zusammenschluss verschiedener antirassistischer, feministischer, ökologischer und progressiver Gruppen und Hoffnungsträgerin von Millionen Wählerinnen und Wählern, darunter sind auch Tausende türkeistämmige Deutsche. Ausgerechnet zum kurdischen Neujahrsfest Newroz will Erdogan diese wichtige Stimme der Emanzipation verbieten. An Newroz küsst der Frühling den Winter fort. Alles soll neu sein und strahlen. Die Hoffnung wird gefeiert und der Sieg über Dunkelheit und Kälte. Diese Zeit für ein Verbot zu wählen, hat eine zynische Bedeutung.

Ich bin sehr froh, einige dieser wunderbaren jungen Frauen zu kennen, die hier in Deutschland für eine aufgeklärte Einwanderungsgesellschaft kämpfen. Eine davon ist mir besonders lieb. Sie ist ganz ernst, wenn sie darüber spricht, wie wichtig es in Deutschland ist, die progressiven Kräfte zu unterstützen und nicht nur mit den Autokraten oder Vertretern des legalistischen Islam zu reden. Jedes einzelne Wort von ihr ist klar, differenziert und klug. Sie sagt, dass es um Emanzipation geht, und das sei schwer, gerade in Deutschland, wo der Blick auf die Einwanderungsgesellschaft sich im Wesentlichen auf ein Dafür und ein Dagegen beschränkt. Beide Seiten, sagt sie, benutzen die Diskussion, ohne wirklich zu diskutieren. Denn Misogynie, Antisemitismus, Rassismus, Fundamentalismus, Homo- und Transfeindlichkeit – das sind die Fragen der Zeit. Für alle.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.