Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig. 
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BerlinNach dem aufsehenerregenden Zeugenaufruf im Fall der verschwundenen Maddie hoffen die Ermittler weiter auf den entscheidenden Hinweis. „Für einen Haftbefehl oder eine Anklage reicht es noch nicht aus“, sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag. 

Das Verschwinden des damals dreijährigen britischen Mädchens Madeleine McCann war am Mittwochabend – wie schon früher – Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Erneut gab es laut Staatsanwaltschaft zahlreiche Hinweise, ein Durchbruch scheint aber noch nicht gelungen.

Die kleine Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Apartment-Anlage im portugiesischen Ferienort Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren an dem Abend in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Kate und Gerry McCann suchten europaweit nach ihrer kleinen Tochter.
Foto: AP/Sang Tan

Am Mittwochabend gaben Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend bekannt, dass ein 43-jähriger Deutscher in dem Fall unter Mordverdacht steht, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. 

Der 43-Jährige sitzt derzeit in Kiel eine alte Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll bereits 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um Handel mit Betäubungsmitteln. Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Denn zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Derweil sucht die Staatsanwaltschaft Stendal nach möglichen Verbindungen zwischen dem Fall Maddie und dem der vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt verschwundenen kleinen Inga. Es werde geprüft, ob es Anhaltspunkte für Zusammenhänge gebe und ob sich daraus ein Anfangsverdacht gegen den Tatverdächtigen im Fall Maddie ergebe, teilte die Staatsanwaltschaft in Stendal am Freitag mit. 

Ein Foto der seit 2015 vermissten fünfjährigen Inga.
Foto: dpa/Polizei Stendal

Inga aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt war fünf Jahre alt, als sie am 2. Mai 2015 aus einem Wald bei Stendal scheinbar spurlos verschwand. Dorthin hatte sie mit ihrer Familie einen Ausflug gemacht. Umfangreiche Suchaktionen und Ermittlungen konnten nicht klären, was mit Inga geschah. Die Region liegt rund 100 Kilometer nordöstlich von Braunschweig.

Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass der Mann ab Dezember 2012 zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Kiosk in Braunschweig eröffnete. Nach der Trennung führte er den Laden allein weiter, bis er nach etwa eineinhalb Jahren den Kiosk und die angrenzende Wohnung aufgrund eines Burn-outs aufgab.