Der Dichter, Musiker und Filmemacher Bob Dylan ist viel unterwegs. An den zahlreichen Stationen seiner Tournee nimmt er immer häufiger auch Ehrungen entgegen. In Berlin wurde er unlängst in die Akademie der Künste aufgenommen, und in Paris nahm er den französischen Verdienstorden Légion d’honneur entgegen.

Zwischendurch hatte er einen Termin bei der Staatsanwaltschaft. Aufgrund einer Anzeige des Rats der Kroaten ermittelt die Pariser Justiz gegen den 72-jährigen Dylan, der in einem in der französischen Ausgabe des Musik-Magazins Rolling Stone erschienenen Interview Kroaten beleidigt und Hass gegen sie geschürt haben soll. Das Gespräch drehte sich auch um Rassismus in den USA, was Dylan zu einer etwas kryptisch-esoterischen Bemerkung veranlasste. „Wenn du Ku-Klux-Klan-Anhänger als Vorfahren hast“, so führte er aus, „spüren Schwarze das, sogar heute noch. Genauso wie Juden Nazi-Blut und Serben kroatisches Blut spüren können.“ Die anthropologisch eher fragwürdige These enthält unter anderem eine Anspielung auf das mit den Nazis verbündete kroatische Ustascha-Regime, das für die Ermordung von Hunderttausenden Juden, Sinti- und Roma sowie Serben verantwortlich ist.

Skandal um kroatischen Fußballer

Schwer zu sagen, was Dylan zu seiner historischen Assoziationskette veranlasste. Die 1941 in Duluth, Minnesota geborene Pop-Legende ist Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie aus Odessa, die sich bereits 1905 in der neuen Welt niederließ.

Die aktuellen Ermittlungen fallen zeitlich mit einem Skandal zusammen, den der kroatische Fußballer und frühere Hertha-Spieler Josip Šimuni? ausgelöst hat. Nach der WM-Qualifikation seiner Mannschaft hatte er den faschistischen Ustascha-Gruß gerufen: „Für die Heimat – bereit.“ Die Anzeige gegen Dylan erscheint so im Kontext ambitionierter Versuche, die terroristische Ustascha-Bewegung politisch zu rehabilitieren.

Bob Dylan ist derweil weitergezogen, zuletzt gab er drei Konzerte in London, der letzte Auftritt im kroatischen Zagreb fand 2010 statt. Dabei mag Dylan auch ein wenig örtliche Geschichtskunde betrieben haben. Er hat in seiner langen Karriere vergleichsweise wenige Interviews gegeben. Rätselhaft waren sie fast immer. In Konflikt mit dem Gesetz war Dylan jüngst gekommen, als er sich gegenüber Polizisten, die keine Ahnung hatten, mit wem sie es zu tun hatten, nicht ausweisen konnte. Dylan, so heißt es, habe deren Fragen höflich beantwortet.