Dresden - Im Fall des toten Asylbewerbers in Dresden gehen die Behörden mittlerweile von einem Gewaltverbrechen aus. „Unsere Ermittlungsrichtung ist ein Tötungsdelikt“, sagte Polizeipräsident Dieter Kroll am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Unfall oder Selbstmord würden ausgeschlossen. Laut Medienberichten wurde der Afrikaner, der mit anderen Asylbewerbern in einer Wohnung in dem Viertel lebte, erstochen.

Ermittlung wegen Totschlags

Die Obduktion habe ergeben, dass der 20-Jährige durch mehrere Messerstiche in Hals und Brust starb, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, am Mittwoch. Die Behörde ermittelt wegen Totschlags. Täter, Hintergründe und Umstände des Geschehens seien noch unbekannt, auch die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Mordkommission wurde personell aufgestockt und konzentriert sich auf die Befragung der Mitbewohner des Afrikaners.

Der 20-Jährige aus Eritrea war am Dienstag im Hof einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Die Behörden hatten zunächst mitgeteilt, dass es für Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte gäbe. Noch am Morgen danach hatte ein Sprecher erklärt, dass alles möglich sei - von Unfall bis Mord.

100 Menschen nehmen an Demonstration vor dem Albertinum teil

Vor dem Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zum Neujahrsempfang geladen hatte, demonstrierten am Nachmittag gut 100 Menschen. Darunter waren mehrere Afrikaner. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) machte ihnen ein Gesprächsangebot. „Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können.“

Mögliches rassistisches Motiv müsse geprüft werden

Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Abgeordnete Juliane Nagel (Linke). Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit. „Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter.“ Valentin Lippmann (Grüne) warnte „in der aufgeheizten Atmosphäre“ vor Vorverurteilungen und Schnellschüssen. „Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden.“ (dpa)