Berlin - Heute Abend wird es sich zeigen: Pegida, das Dresdner Bündnis „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ hat zum achten Mal zu einer Montags-Kundgebung gegen die deutsche Asylpolitik aufgerufen.

Vergangene Woche folgten mehr als 7500 Menschen dem Aufruf des Wortführers, eines verurteilten Einbrechers und Drogenhändlers, der auf Bewährung frei ist. Heute Abend rechnen die Organisatoren mit noch mehr Zulauf. „Unsere Gegner blasen zum Sturm“, so die Pegida-Organisatoren. „Lasst uns darum zeigen: Es geht um die Zukunft von Europa.“

Dresden versucht nun, dagegen zu halten und ein Zeichen zu setzen – auch um den ramponierten Ruf der alten Elbresidenz wieder herzustellen. Ein großer Sternmarsch durch die Stadt ist geplant, mitten im dicksten Vor-Weihnachtstrubel. Die Organisatoren hoffen auf 2000 Teilnehmer. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillch (CDU) hat zur Teilnahme aufgerufen, ebenso sein Stellvertreter, der SPD-Politiker Martin Dulig. Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) wollen mitgehen.

Verantwortliche in Stadt und Land ringen seit Wochen um eine angemessene Einstellung zu dem neuartigen Wutbürgerphänomen. Es ist ein schwieriger Spagat, der zwischen den dubiosen Organisatoren, Rechtsradikalen und Rassisten auf der einen Seite und den offensichtlich verängstigten und überforderten Mitläufern andererseits unterscheiden will. „Wir sollten die persönliche Sorge der Menschen, die auf die Straße gehen, ernst nehmen“, meint beispielsweise der Evangelische Landesbischof Jochen Bohl.

Die deutsche Einwanderungspolitik sei ein Thema, bei dem in den vergangenen 30 Jahren nicht alles richtig gemacht worden sei, zitiert ihn die Sächsische Zeitung. Es gebe allerdings in Sachsen mit seinem geringen Ausländeranteil auch keinen Grund, sich vor dem Entstehen von Parallelgesellschaften zu fürchten.

Ministerpräsident Stansilaw Tillich (CDU) wirbt seit Wochen für eine freundliche Willkommenskultur in seinem Bundesland und formuliert dabei klare Anforderungen an Flüchtlinge und an Einheimische: „Eine Willkommenskultur kann nur dann bestehen, wenn die Grundwerte des Gastlandes auch respektiert werden und die Bürger die Integration als Aufgabe jedes Einzelnen begreifen.“

Dresdner Kulturschaffende veröffentlichten am heutigen Montag einen Aufruf „Für ein weltoffenes Dresden“ gegen die Pegida-Marschierer und gegen ein „Bedrohungsszenario, das mit der deutschen Realität nicht das Geringste“ zu tun habe. „Wir rufen dazu auf, sich von den Angstmachern und Lügnern nicht blenden zu lassen“, heißt es in dem Schreiben von Theaterintendanten, Museumsleuten und Musikern. „Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger Dresdens, für den guten Ruf unserer Stadt einzustehen.“

Einer der Mitinitiatoren des heute Abend geplanten Sternmarsches gegen Intoleranz und Pegida, ein Student der TU Dresden, ist mittlerweile mit Droh-Mails überhäuft worden. Mehr als 80 Drohungen habe er erhalten, sagte der junge Mann der Sächsischen Zeitung. Und fügte hinzu: „Ich lasse mich nicht unterkriegen.“