Wie professionell die Grünen geworden sind, das konnte man beim Parteitag am vergangenen Wochenende schon an den Kleinigkeiten ablesen. Wenn in der Rede des Wirtschafts- und Klimaschutzministers Robert Habeck immer wieder das Wort „Kompromiss“ auftaucht. Und die neue Chefin der Partei Ricarda Lang, einst bei der Grünen Jugend zuständig für radikale Positionen, sagt, sie finde es absurd, dass sie ständig gefragt werde, wie schlimm sie die Kompromisse finde, die die Grünen in der Ampel-Koalition eingehen müssten. Schwierige Situationen müsse man aushalten. Sie habe richtig Lust darauf.

Endlich angekommen in der Regierung wollen sich die Grünen jetzt nicht aufhalten lassen. Sie wollen grüne Vorstellungen umsetzen: mehr Klima- und Naturschutz, mehr Tierwohl und eine andere Landwirtschaft. Wenn dazu gehört, dass man es aushalten muss, wenn die eigenen Vorstellungen verdreht werden, wie bei der Einstufung von Gas als nachhaltig, dann ist das eben so.

Das ist sicherlich alles richtig und für die Stabilität des Landes bestimmt gut. Aber in Bezug auf die Grünen kann einem schon mal Angst und Bange werden, wenn aus der Rede des zweiten neuen Vorsitzenden Omid Nouripour nur der Kernsatz hängen bleibt, die Grünen wollten nächstes Mal in der K-Frage wieder mitspielen. Keine Debatten über das verfehlte Wahlziel, die Zumutungen aus dem Koalitionsvertrag, das Desaster mit den Bonus-Zahlungen. Es war ein geradezu erschreckend harmonischer Parteitag.

Dass es keine zermürbenden Debatten mehr gibt wie früher, ist vielleicht nicht unbedingt ein Verlust. Die Partei hat sich mit Flügelkämpfen oft selbst geschadet. Und doch wird die Parteiführung jetzt aufpassen müssen, dass sie den Kontakt zur Basis nicht verliert. Das wird für Lang und Nouripour vielleicht die größte Herausforderung werden: die Regierungspolitik der eigenen Basis erklären, sich offen zeigen für Kritik und sie nicht verhindern. Eine Vermittlungsrolle. Man wird sehen, ob Lang und Nouripour dafür die Richtigen sind.