Ein kleiner Junge liegt ertrunken am Strand des türkischen Badeorts Bodrum. Er trägt ein rotes T-Shirt, eine blaue Hose und Turnschuhe mit Klettverschluss. Das Bild ist von einer so herzzerreißenden Traurigkeit, dass sich viele Medien entschlossen haben, es mit Rücksicht auf die Würde des toten Kindes nicht zu veröffentlichen. Auch die Berliner Zeitung hat sich so entschieden. Selbst das offenbar kurz darauf entstandene Foto, das einen türkischen Polizisten zeigt, der den Jungen in seinen Armen birgt, ist schwer zu ertragen. Doch spiegelt sich in diesem einen Bild nicht nur die Hilflosigkeit, mit der Europa der Flüchtlingskatastrophe begegnet, sondern auch das furchtbare Schicksal der vielen, die in den vergangenen Wochen und Monaten im Mittelmeer ertrunken sind.

Es gibt immer wieder Fotos, die sich in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingraben. Das Bild von dem nackten Mädchen, das 1972 aus einer Napalm-Wolke im Vietnamkrieg flieht, ist so eines. Oder das des sterbenden Benno Ohnesorg nach der Anti-Schah-Demonstration 1967 in Berlin. Man weiß immer erst später, welches Motiv solch eine Wirkung hat. Seit Mittwoch sind nun Bilder in der Welt, die diese Kraft entfalten könnten, die zu Ikonen der Tragödie um die syrischen Flüchtlinge werden könnten.

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