München - Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, mit ihren Komplizen im Jahr 2000 in Berlin ein mögliches Anschlagsziel des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ ausgespäht zu haben.
"Ich kenne keine Synagoge in Berlin"
In einer Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im Münchner NSU-Prozess verlas, räumte Zschäpe zwar ein, sie habe sich damals irgendwann im Frühjahr oder Sommer zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in der Hauptstadt aufgehalten. Es habe aber keine besonderen Gründe für die Reise gegeben - „außer dass wir mal aus Chemnitz rauskommen wollten“. Sie habe aber nichts ausgespäht, und sie habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Synagoge aufgesucht. „Ich kenne keine Synagoge in Berlin.“
Hintergrund ist die Beobachtung eines ehemaligen Wachpolizisten, der Zschäpe am 7. Mai 2000 in Berlin gesehen haben will, in einem Café nahe der größten Synagoge Deutschlands im Stadtteil Prenzlauer Berg. Der heute 66-Jährige bestätigte dies am Mittwoch als Zeuge vor dem Oberlandesgericht. Der Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin hatte die Ladung des Mannes beantragt und mit der Vermutung begründet, Zschäpe und Mundlos könnten damals ein Anschlagsziel des NSU ausgespäht haben.
Wachmann erkannte Zschäpe wieder
Der ehemalige Wachpolizist berichtete, ihm seien damals drei Personen in dem Café aufgefallen: eine junge, attraktive Frau mit zwei jungen Männern. Die Frau habe nicht zu dem sonstigen Publikum dort gepasst, „von ihrem Aussehen und auch von der Kleidung her“. Sie habe schwarze Haare gehabt, eine schlanke Figur, und „langes, wallendes Haar“. Die Männer hätten sehr kurze Haare gehabt, der eine fast eine Glatze. Kurz darauf habe er die Frau auf einem Fahndungsfoto im Fernsehen wiedererkannt und sich daraufhin bei der Polizei gemeldet.
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Auf Fahndungsfotos, die ihm vorgelegt wurden, erkannte der Wachpolizist damals Zschäpe und Mundlos wieder. Heute, 16 Jahre später, konnte er sich an viele Details allerdings nicht mehr erinnern - auch nicht an die genaue Personenzahl der Gruppe. Er sei seither auch nie wieder danach gefragt worden, betonte er. Damals hatte er noch von einer weiteren Frau und zwei Kindern berichtet, die sich mit den drei anderen in dem Café aufgehalten hätten.
Antrag zum Fall Peggy angekündigt
Unklar war, ob und wann der Fall der 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwundenen Schülerin Peggy Thema im Prozess werden könnte. Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler hatte angekündigt, er plane dazu einen Antrag. Unklar war aber, wann es die Gelegenheit für ihn geben könnte, diesen zu stellen. In unmittelbarer Nähe der sterblichen Überreste Peggys war vor kurzem völlig überraschend eine DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Mörders Böhnhardt entdeckt worden.
Zschäpe muss sich vor dem Münchner Oberlandesgericht als Mittäterin an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Mundlos und Böhnhardt sollen laut Anklage die Morde und Anschläge begangen haben. Zschäpe soll das Leben des Trios im Untergrund organisiert und zudem von sämtlichen Verbrechen gewusst haben. Mundlos und Böhnhardt töteten sich den Ermittlungen zufolge im November 2011 nach einem missglückten Banküberfall selbst, um der Festnahme zu entgehen. (dpa)