BerlinZu gerne hätte Donald Trump noch vor der Wahl die Rettung der Welt ausgerufen, aber es war ihm nicht vergönnt. Kaum war die Meldung über den potenziellen Durchbruch bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff in der Welt, zürnte der just abgewählte US-Präsident: Die Arzneimittelbehörde und die Demokraten hätten nicht gewollt, „dass ich vor der Wahl einen Impfstoff-Erfolg habe“. Deswegen sei es fünf Tage später rausgekommen.

Das ist natürlich Blödsinn. Denn erstens hatten sich die Pharmaunternehmen trotz aller Konkurrenz einhellig darauf verpflichtet, sich politischem Druck keinesfalls beugen zu wollen. Überdies ist das, was nun raus kam, nämlich dass ein von der Mainzer Firma Biontech und dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickeltes Vakzin potenziell 90 Prozent der Geimpften vor einer Covid-19-Erkrankung schützt, zwar ein erfreuliches, aber doch erst ein Zwischenergebnis.

Nichts ist gesagt darüber, wie das Vakzin bei älteren Menschen wirkt, deren Immunsystem weniger ansprechbar ist, weshalb Impfstoffe nicht in gleichem Maße erfolgreich sind wie bei Jüngeren. Nichts ist gesagt darüber, wie lange die Immunität gegebenenfalls anhält. Muss womöglich, wenn nach einem Jahr – und so lange wird es dauern – erst einmal die Risikogruppen und das Gesundheitspersonal durchgeimpft sind, gleich wieder von vorne angefangen werden, weil bei den ersten die Wirkung schon wieder verpufft ist? Nichts ist darüber gesagt, wie all die Lager- und Kühlkapazitäten geschaffen werden sollen für diesen sehr empfindlichen Stoff, und wenn das schon im reichen Deutschland als monströse Aufgabe erscheint – wie soll sie erst in ärmeren Regionen dieser Erde gestemmt werden?

Noch sind zu viele Fragen offen, als dass man die Rettung der Welt ausrufen könnte. Es ist bestenfalls ein Schritt dahin auf einem noch immer sehr langen Weg.