Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
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BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die ansteigenden Zahlen von Corona-Infektionen in Deutschland als besorgniserregend, aber noch beherrschbar bezeichnet. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Teilnehmerkreise der ersten virtuellen CDU-Präsidiumssitzung nach der Sommerpause. Demnach sagte Merkel am Montag weiter, es könne deswegen derzeit keine weiteren Lockerungen geben. Dies gelte auch für Fußballspiele.

Die Kanzlerin wolle in der kommenden Woche mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Corona-Lage beraten, wie es aus Parteikreisen heißt. Im Fokus sollen unter anderem die verschiedenen Regeln im Umgang mit der Pandemie stehen. Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte, bewertet den Vorstoß der Kanzlerin im Gespräch mit der Berliner Zeitung positiv. „Das ist etwas, was ich nicht nur begrüße, sondern seit Tagen fordere. In der ersten Welle hatten wir diesen großen Erfolg, weil Bund und Länder gut zusammengearbeitet haben. Ich würde es begrüßen, wenn wir an der Stelle so weitermachen“, sagt er.

Die Zahlen steigen

Ebenso wie die Kanzlerin hält auch Lauterbach die Infektionszahlen für beherrschbar, sie mahnt jedoch zur Vorsicht bei privaten Feiern und in der Schule. „Wir wissen mittlerweile so viel über das Virus, dass wir uns aufgrund dessen über eine große zweite Welle im Sinne eines neuen Lockdowns nicht sorgen müssen.“

Aktuell zeigt die Kurve der Neuinfektionen wieder nach oben. Nach dem Höhepunkt der Ansteckungen Anfang April mit täglich mehr als 6000 Fällen ist die Zahl zunächst bis Ende Juli kontinuierlich gesunken, steigt seitdem jedoch wieder. Binnen eines Tages meldeten die deutschen Gesundheitsämter 561 Neuinfektionen, wie aus den Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Montagmorgen hervorgeht. Für Freitag und Samstag spricht das RKI von jeweils mehr als 1.400 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden. Infektionszahlen in dieser Größenordnung wurden zuletzt im Mai erreicht.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) riet laut Teilnehmern während der Präsidiumssitzung zu einem besonnenen Umgang mit der Situation und warnte vor Alarmismus. Eine Lage wie im März gebe es nicht mehr. Sowohl Bouffier als auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erwarten jedoch, dass man noch lange mit der jetzigen Situation leben müsse.

Mehr Infektionen durch Reiserückkehrer und lokale Ausbrüche

Ein Grund für die steigenden Infektionszahlen hierzulande sind Reiserückkehrer, die sich im Urlaub mit dem Coronavirus infiziert haben. Denn auch in vielen Urlaubsregionen steigen die Zahlen. Die Bundesregierung reagierte darauf zuletzt, indem sie ganz Spanien mit Ausnahme der Kanaren zum Corona-Risikogebiet erklärte. Dies gilt auch für die beliebte Balearen-Insel Mallorca. Reiseveranstalter sagten Pauschalreisen in die betroffenen Gebiete daraufhin ab und boten Urlaubern vorzeitige Rückflüge an.

Neben der Ansteckung im Urlaub infizieren sich auch in Deutschland selbst immer mehr Menschen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht dafür im „heute journal“ private Feiern verantwortlich. „Es gibt im Land wieder mehr Ansteckungen durch Reiserückkehrer, es gibt aber auch lokale Ausbrüche, die meist mit Feiern zusammenhingen“, sagt Spahn. „Das ist das, was wir im Blick haben müssen über das Reisen hinaus.“

Einen erneuten Lockdown befürchtet der Minister ähnlich wie Merkel und Lauterbach nicht. Aus seiner Sicht ergebe es keinen Sinn, Einzelhandel oder Friseure erneut zu schließen, sofern man sich weiter an Abstandsregeln halte und Alltagsmasken benutze. „Feierlichkeiten, Veranstaltungen – dort überträgt es sich sehr, sehr schnell. Deswegen, finde ich, müssen wir mit den Ländern nochmal schauen: Was sind die Grenzen, was sind die Regeln für die Größen von Veranstaltungen.“

Spahn will bei Lockerungen Prioritäten setzen

Spahn zeigt im „heute journal“ zwar Verständnis für Hochzeitspaare, die gern mit 100, 150 Gästen feiern wollten. Er wisse jedoch, dass eine Hochzeit nach einer Weile „sehr gemütlich“ werde. Um weitere Einschränkungen von Veranstaltungen zu verhindern, gebe es nur eine Möglichkeit. „Entweder wir schaffen es, auch aus der Sommerzeit herauskommend die Zahlen unter Kontrolle zu behalten. Oder wir werden eben zuerst den Blick auf die Art von Veranstaltungen richten müssen, bei denen eben besonderes Infektionsgeschehen auftritt.“ Das seien die geselligen Events, auf denen Menschen, meist verbunden mit Alkohol, zusammenkommen.

Der Minister plädiert daher dafür, bei der Frage der Lockerungen Prioritäten zu setzen. Vorrang haben seiner Meinung nach Kitas, Schulen, Wirtschaft und Handel, wie Spahn am Montag bei einem Video-Pressegespräch sagte.