Geistig behinderte Musiker beim ESC: Ist das für Sie ein einmaliger Erfolg oder die längst überfällige Beteiligung einer nach wie vor gesellschaftlichen Randgruppe?

Schön dass das dieses Jahr endlich funktioniert. Den unverkrampften Umgang mit Behinderten lernt man am besten da, wo man gemeinsam feiert, singt und lacht. Deshalb braucht so ein gesellschaftliches Mammutprojekt wie die Inklusion unbedingt auch die Hilfe der Unterhaltungsindustrie. Das ist für mich ein öffentlich-rechtlicher Auftrag.

Sie haben Pädagogik studiert und als Musiktherapeut mit behinderten Menschen gearbeitet. Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen behinderten und nicht-behinderten Musikern?

Grob unterschieden musizieren die meisten geistig behinderten Musiker mehr mit dem Bauch und der gemeine „Normalo“ mit dem Kopf. Beides kombiniert ist der Hammer.

Sie haben bereits einmal versucht, mit einer Band behinderter Musiker beim deutschen ESC-Vorentscheid teilzunehmen, wurden aber abgelehnt. Hat man Ihnen Gründe für die Ablehnung genannt, und werden Sie es wieder versuchen?

Ich glaube, man war mit dem Thema überfordert und hat uns – sagen wir mal so – elegant abtropfen lassen. Beim medialen Umgang mit diesem Thema hat man hierzulande stets enorme Angst davor, behinderte Menschen vorzuführen, speziell in der Rubrik Unterhaltung, wo halt eben auch gelacht wird. Und natürlich starten wir einen neuen Anlauf. Vielleicht kriegen wir ja auch die Chance, uns über das Wildcard-Clubkonzert mit den anderen Bewerbern zu messen.

Ihr Engagement für behinderte Menschen ist vielfältig und dauerhaft. Was treibt Sie dabei an? Falls es dabei auch zu Rückschlägen kommt, wie stecken Sie die weg?

Ich habe für mich viel im Umgang mit behinderten Menschen gelernt und bin mir sicher, jedem von uns würde das gut tun. Es gibt nicht nur den einen Weg im Leben, und vielleicht ist das Stolpern ja auch die bessere Art der Fortbewegung. Man muss es nur mal ausprobieren. Und mit Rückschlägen habe ich mich noch nie lange beschäftigt.

Interview: Elmar Kraushaar