Nehmen wir mal an, es wäre etwas Geld übrig. Wegen Corona hat man es vielleicht nicht ausgeben können. Nun schlummert das Geld auf einem Konto und produziert Minuszinsen. Wie schön wäre es dann doch, wenn man es nicht nur gewinnbringend investieren, sondern gleichzeitig auch noch einen Beitrag fürs Klima leisten könnte.

Demnächst wird man das Kleingedruckte vielleicht noch aufmerksamer lesen müssen als ohnehin schon. Grüne Investmentfonds versprechen, in nächster Zeit ein Verkaufsschlager für Kreditinstitute zu werden. Gut fürs Klima, ganz sicher, so wird die Geldanlage möglicherweise zertifiziert sein. Vielleicht fördert man mit seinem Geld so aber auch unwissentlich Investitionen, gegen die sonst gelegentlich polemisiert wird: der Bau eines Atomkraftwerks, einer weiteren Gaspipeline, eines Schnellen Brüters.

Die Taxonomie-Pläne der EU sind problematisch. Zum einen, weil die EU hier Label verteilt, die zum Etikettenschwindel taugen. Darüber hinaus ist aber auch noch etwas anderes ärgerlich. Im Wahlkampf hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vom günstigen Bahnfahren gesprochen, von Windrädern, die überall aufgestellt werden sollen, schnell und unbürokratisch. Es fehlt an Ladesäulen für E-Autos, und eine ganze Industrie muss umgestellt werden auf Klimaneutralität.

Für all dies wird viel Geld gebraucht und es gibt nicht wenige, die bezweifeln, dass das alles so schnell, wie es nötig ist, überhaupt zu leisten ist. Wenn der Staat und die Staatengemeinschaft EU sich jetzt aber auch verzetteln und falsche Anreize setzen, indem sie zu Investitionen in Technologien animieren, die allenfalls für den Übergang gedacht sind, kann man es gleich aufgeben. Klimakanzler wird man nicht durch Ankündigungen. Das steht fest. Olaf Scholz und seine Regierung müssen erst noch beweisen, das es ihnen ernst ist mit dem Klimaschutz. Ein Etikettenschwindel am Anfang lässt nichts Gutes erwarten.