Die CDU/CSU rauscht an den Grünen vorbei und bestimmt ihren Kanzlerkandidaten. Söder oder Laschet? Das war die Frage. An Stelle der Grünen hätte ich dem Macho Söder Annalena Baerbock entgegengesetzt – zu Laschet passt Robert Habeck. So oder so werden die Unionsführer im Wahlkampf einen auf grün machen, aber insgeheim zur SPD plus (nötigenfalls) zur FDP ruckeln. Olaf Scholz, der sogenannte SPD-Kanzlerkandidat, wird zwei Wochen nach der Wahl mit „schlumpfigem Grinsen“ erklären, die pandemiebedingte Notlage zwinge abermals zur Koalition mit den Schwarzen. Christian Lindner wird sekundieren: „Ich muss Schlimmes verhüten! Deshalb gilt das FDP-Umfallerprinzip ‚Es ist besser zu regieren, als falsch zu opponieren.‘“

Grün-Rot-Rot bleibt chancenlos. Obwohl – neuerdings habe ich mich erwischt, wie ich dank ihres Buches „Die Selbstgerechten“ geistig an Sahra Wagenknecht heranruckle. Ich übergehe, dass sie die französischen Gelbwesten verehrt – eine Querfront aus frustrierten Linksradikalen, Antisemiten und siegesgewissen Rechtsradikalen. Dennoch: Die Autorin zieht über die „Lifestyle-Linke“ her, und das auf herrlich wortgewandte Weise. Für die selbstverliebten Kevin Kühnerts, Grünen und Linken, die sich politisch darauf kaprizieren, an der deutschen Sprache herumzufummeln und ihren Dünkel zur Schau zu stellen, hat Wagenknecht nichts übrig. Es geht ihr auf die Nerven, wenn Wörter wie „Vater“, „Mutter“, „Flüchtling“ oder „Rednerpult“ als angeblich diskriminierend ausgemerzt werden. Vermeintlich gendergerechte Sternchen findet sie „dubios“, ebenso die zahllosen Zugeständnisse an „skurrile Minderheiten“ und deren „Marotten“.

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