Es dauert nur wenige Sekunden, bis Josep Borrell eine rhetorische Bombe platzen lässt. „Europa ist ein Garten“, sagt der EU-Außenbeauftrage bei einer Rede in der Europäisch-Diplomatischen Akademie in Brügge. In Europa funktioniere alles, es sei „die beste Kombination aus politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Zusammenhalt“. Der Rest der Welt ist für den Katalanen jedoch kein Garten. „Der größte Teil der restlichen Welt ist ein Dschungel und der Dschungel könnte in den Garten eindringen“, so Borrell.
Für Borrell wird keine Mauer oder kein Zaun der Welt seinen Garten schützen. „Denn der Dschungel hat eine starke Wachstumskapazität, und die Mauer wird nie hoch genug sein, um den Garten zu schützen“, so der ranghöchste Vertreter der EU-Außen- und -Sicherheitspolitik. Seinen Ansichten nach müssten Europäer in den Dschungel hinein und sich mit dem Rest der Welt stärker auseinandersetzen. „Andernfalls wird der Rest der Welt auf andere Weise und mit anderen Mitteln in uns eindringen.“
Wie die EU ihren "Garten" aufgebaut hat und wieso Menschen den "Jungle" verlassen - ungeheuerliche Worte aus dem Mund des höchsten Außenpolitikers der EU! https://t.co/x3LnsPfFAC pic.twitter.com/Isd7gR47UQ
— Extinction Rebellion Deutschland (@ExtinctionR_DE) October 16, 2022
In seiner Rede vor angehenden Diplomaten versuchte der oberste EU-Außenpolitiker offenbar, eine Analogie zwischen einer sicheren und geordneten EU und einem gefährlichen chaotischen Rest der Welt herzustellen. Sein Fazit: Die Europäische Union müsse Bündnisse suchen, um Feindseligkeiten mit anderen Teilen der Welt zu vermeiden. In sozialen Medien kritisieren Politik-Experten den Unterton der Rede als imperialistisch und rassistisch.
Politikwissenschaftler Mohammadbagher Forough vom German Institute for Global and Area Studies in Hamburg kritisiert die Wortwahl Borrells, die dazu führe, dass so angesprochene Länder des Globalen Südens nicht vollumfänglich die EU in der Sanktionspolitik gegen Russland unterstützen würden. So wecken solche Kommentare bei Betroffenen im „Dschungel“ traumatische Erinnerungen an globale Ungerechtigkeiten, Rassismus und Kolonialismus, den man in den vergangenen Jahrhunderten durch die „Gärtner“ erfahren habe.
Josep Borrell: "Europe is a garden. Most of the rest of the world a jungle. The jungle could invade the garden. The Jungle has a strong growth capacity.'
— Mohamad Forough (@Mohamad_Forough) October 15, 2022
Dear Mr. @JosepBorrellF
This is the WORST ANALOGY of all time, for the following reasons:
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