Skandal-Rede

Mächtigster EU-Diplomat: Europa ist ein Garten, der Rest der Welt ein Dschungel

In einer Ansprache vor Jungdiplomaten plädiert Josep Borrell dafür, dass „europäische Gärtner“ in die Welt ausströmen, um den Dschungel zu stutzen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.AFP/Tobias Schwarz

Es dauert nur wenige Sekunden, bis Josep Borrell eine rhetorische Bombe platzen lässt. „Europa ist ein Garten“, sagt der EU-Außenbeauftrage bei einer Rede in der Europäisch-Diplomatischen Akademie in Brügge. In Europa funktioniere alles, es sei „die beste Kombination aus politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Zusammenhalt“. Der Rest der Welt ist für den Katalanen jedoch kein Garten. „Der größte Teil der restlichen Welt ist ein Dschungel und der Dschungel könnte in den Garten eindringen“, so Borrell.

Für Borrell wird keine Mauer oder kein Zaun der Welt seinen Garten schützen. „Denn der Dschungel hat eine starke Wachstumskapazität, und die Mauer wird nie hoch genug sein, um den Garten zu schützen“, so der ranghöchste Vertreter der EU-Außen- und -Sicherheitspolitik. Seinen Ansichten nach müssten Europäer in den Dschungel hinein und sich mit dem Rest der Welt stärker auseinandersetzen. „Andernfalls wird der Rest der Welt auf andere Weise und mit anderen Mitteln in uns eindringen.“

In seiner Rede vor angehenden Diplomaten versuchte der oberste EU-Außenpolitiker offenbar, eine Analogie zwischen einer sicheren und geordneten EU und einem gefährlichen chaotischen Rest der Welt herzustellen. Sein Fazit: Die Europäische Union müsse Bündnisse suchen, um Feindseligkeiten mit anderen Teilen der Welt zu vermeiden. In sozialen Medien kritisieren Politik-Experten den Unterton der Rede als imperialistisch und rassistisch.

Politikwissenschaftler Mohammadbagher Forough vom German Institute for Global and Area Studies in Hamburg kritisiert die Wortwahl Borrells, die dazu führe, dass so angesprochene Länder des Globalen Südens nicht vollumfänglich die EU in der Sanktionspolitik gegen Russland unterstützen würden. So wecken solche Kommentare bei Betroffenen im „Dschungel“ traumatische Erinnerungen an globale Ungerechtigkeiten, Rassismus und Kolonialismus, den man in den vergangenen Jahrhunderten durch die „Gärtner“ erfahren habe.

Vergangene Woche war Borrell mehrmals öffentlichkeitswirksam aufgetreten. Am Donnerstag bezog er Stellung zu einem möglichen Atomwaffeneinsatz Russlands: „Auf jeden nuklearen Angriff auf die Ukraine wird es eine Antwort geben – keine nukleare Antwort, aber eine so kraftvolle militärische Antwort, dass die russische Armee vernichtet wird.“