Sie sehen pittoresk aus, die hoch überladenen Lastwagen, die sich langsam ihren Weg über die mit Schlaglöchern und Spurrillen übersäten Straßen Afrikas suchen. Sie sehen pittoresk aus, aber sie ruinieren die mit Hilfe von EU-Milliarden erbauten Straßen. Und die EU-Kommission, die zu den größten Entwicklungshilfe-Gebern für den Straßenbau in Afrika gehört, sieht viel zu häufig tatenlos zu. Das geht aus einem Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs hervor, dessen Prüfer immerhin 2400 Kilometer Straße in sechs Ländern Afrikas abfuhren.

Bei den Projekten geht es um immense Summen: Rund 7,4 Milliarden Euro hat die EU-Kommission zwischen 1995 und 2011 für den Straßenbau südlich der Sahara ausgegeben. Dieser Schwerpunkt der Entwicklungshilfe hat gute Gründe. Kaum etwas ist so wichtig für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft wie ein funktionierendes Straßennetz. In Afrika wird mehr als 80 Prozent des gesamten Waren- und Dienstleistungsverkehrs über die Straße abgewickelt, wobei der Beförderungsbedarf weiterhin rasant ansteigt.

"Die vom Hof besuchten Partnerländer unternehmen keine ausreichenden Bemühungen, um die Nachhaltigkeit der Straßeninfrastruktur sicherzustellen", heißt es aber nun im Bericht des Rechnungshofs. "In allen vom Hof besuchten Partnerländern sind die Straßen in unterschiedlichem Ausmaß von vorzeitigem Verschleiß betroffen." Immerhin befänden sich derzeit noch mehr als zwei Drittel der getesteten Straßen in zufriedenstellendem bis sehr guten Zustand.

Manche Straßen halten nur vier Jahre

Straßen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara würden für eine voraussichtliche Lebensdauer von 15 Jahren gebaut. Diese werde aber nur erreicht, wenn Schlaglöcher ausgebessert, die Entwässerungsrinnen regelmäßig gereinigt und die Vegetation zurückgeschnitten werde. Dies geschehe aber nicht, weil die afrikanischen Staaten zu viel Geld in den Neubau oder die Sanierung von Straßen steckten und nicht genug in die Instandhaltung.

Hinzu komme, dass die Überladung von Fahrzeugen nicht verhindert werde. Beispielsweise in Burkina Faso führe die ständige Überladung der Fahrzeuge dazu, dass bei fast der Hälfte der Straßen die Lebensdauer von 15 auf unter vier Jahre gesunken sei. Es gebe zu wenig Brückenwaagen, die erhobenen Bußgelder seien zu niedrig und die Transportkosten aufgrund von langen Standzeiten an den Grenzen und informellen Straßensperren zu hoch. Diesen Bedingungen habe die EU-Kommission bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Onnehin macht der Rechnungshof die EU-Kommission für viele Missstände mitverantwortlich. Zwar dränge sie die Partnerländer dazu, ihre Instandhaltungsbudgets zu erhöhen. Der Druck reiche aber nicht aus: "Häufig reagiert die Kommission nicht in angemessener Weoise, wenn Partnerländer ihre Verpflichtungen nicht erfüllen", rügten die Prüfer. "Darunter leidet die Glaubwürdigkeit."