Federica Mogherini, Leiterin der Außenpolitik der Europäischen Union, mit dem französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian.
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Brüssel In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigten sich Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und seine Kollegen aus Paris und London sowie die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Montag "äußerst besorgt" angesichts der wiederholten Verstöße des Iran gegen das internationale Atomabkommen. Sie bekräftigten zugleich ihre Bereitschaft, den sogenannten Streitschlichtungsmechanismus in Betracht zu ziehen, der am Ende UN-Sanktionen zur Folge haben könnte.

Das Atomabkommen von 2015 soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern und unterwirft sein Nuklearprogramm internationaler Kontrolle. Im Gegenzug waren die internationalen und nationalen Sanktionen gegen das Land aufgehoben worden, einschließlich der durch den UN-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen. Allerdings zieht sich der Iran seit Mai schrittweise aus dem internationalen Atomabkommen zurück. Er reagiert damit auf den einseitigen Ausstieg der USA aus der Vereinbarung im vergangenen Jahr und die Wiedereinführung und Verschärfung von US-Wirtschaftssanktionen.

Iran steigert Uran-Anreicherung

Am Donnerstag hatte der Iran die Urananreicherung in der Atomanlage Fordo offiziell wiederaufgenommen. Am Sonntag teilte das Land mit, es habe die Uran-Anreicherung auf fünf Prozent gesteigert. Nach dem Atomabkommen erlaubt sind nur 3,67 Prozent.

Die jüngsten Schritte Teherans stellten eine "bedauerliche Beschleunigung" des iranischen Rückzugs von den Verpflichtungen des Abkommens aus dem Jahr 2015 dar, hieß es in der gemeinsamen Erklärung der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens sowie Mogherinis. Die iranische Führung solle unverzüglich alle Verstöße gegen das Atomabkommen rückgängig machen. Zugleich bekräftigten sie ihre "Entschlossenheit, alle Anstrengungen zur Beibehaltung der Vereinbarung fortzusetzen" - warnen aber auch, dass sie "alle Mechanismen zur Beilegung von Streitfragen" in Betracht ziehen, "einschließlich des Streitschlichtungsmechanismus".

Iran weist Kritik der EU heftig zurück

Dieser Mechanismus sieht ein mehrstufiges Verfahren mit zahlreichen Fristen vor. Er kann aktiviert werden, wenn eine Vertragspartei glaubt, dass Bestimmungen des Abkommens von der anderen Seite verletzt werden. Dies wäre ein sehr langer Prozess über voraussichtlich mehrere Monate. Ohne Einigung mit dem Iran könnte er aber letztlich zur Wiedereinführung von UN-Sanktionen führen.

Der Iran wies die Kritik der EU sogleich zurück. „Wir haben uns stets an das Atomabkommen gehalten ... Ihr (EU) auch?“, twitterte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Dienstag. Er warf den drei EU-Vertragspartnern - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - vor, sie hätten in den vergangenen 18 Monaten nicht ein einziges Mal ihre Verpflichtungen aus dem Atomdeal eingehalten. Daher sei auch die Kritik der EU an Teheran unberechtigt, so Sarif.