Die Ausbreitung der neu entdeckten Omikron-Variante des Coronavirus sorgt weltweit für Beunruhigung. Um die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren, hat Großbritannien für Montag ein außerplanmäßiges Treffen der Gesundheitsminister der führenden westlichen Wirtschaftsnationen (G7) einberufen. Ein Ergebnis der Beratungen lag zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor.

Mittlerweile sind, wie in Deutschland, in etlichen Ländern Fälle der Variante aufgetaucht. Neben anderen meldeten Israel, Kanada, Dänemark, Belgien, Tschechien, die Niederlande und Italien Fälle der von der WHO als besorgniserregend eingestuften Corona-Variante. 

Am Montag wurde ein dritter Fall in Großbritannien identifiziert und Dutzende weitere wurden als Verdachtsfälle behandelt, berichtet die Financial Times (FT). In Schottland wurden sechs Omikron-Fälle identifiziert. Die Kontaktpersonen der betroffenen Personen würden nun ermittelt und müssten sich für zehn Tage isolieren, teilte die schottische Gesundheitsbehörde Public Health Scotland am Montag mit.

Die Regierung in London hat das Tragen von Masken für Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel in England vorgeschrieben, und Personen, die nach Großbritannien einreisen, müssen innerhalb von zwei Tagen nach ihrer Ankunft einen PCR-Test durchführen und sich selbst isolieren, bis sie ein negatives Ergebnis erhalten.

Die USA, die EU, Großbritannien, Australien, Kanada, Saudi-Arabien und Südkorea haben entweder ihre Grenzen für Einreisende dichtgemacht oder Quarantäne für Reisende nach oder aus Afrika angeordnet. Singapur und Indien überprüfen, ob sie ähnliche Maßnahmen ergreifen. Die Schweiz hat auch Reisen in nicht-afrikanische Länder eingeschränkt, in denen Fälle festgestellt wurden.

Israel ist das erste Land, das seine Grenzen für Ausländer schloss, nachdem ein Fall bestätigt und mehrere weitere Verdachtsfälle auftraten. Reiserückkehrer werden unter Aufsicht der Armee und des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet in Quarantäne geschickt, so sie Verdachtsfälle sind. Ausländer müssen sich in eines der beiden von der Regierung betriebenen Quarantäne-Hotels in Tel Aviv oder Jerusalem begeben und dürfen die Quarantäne erst nach negativen PCR-Tests beenden. Die Fristen sind für Geimpfte und Ungeimpfte unterschiedlich. Wer sich dem verpflichtenden Test entzieht, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. 

In den Niederlanden ist ein Ehepaar aus einem Quarantäne-Hotel für positiv auf Corona getestete Reisende aus Südafrika geflohen. Die Grenzpolizei am Amsterdamer Flughafen Schiphol nahm den Mann aus Spanien und die Frau aus Portugal am Sonntagabend in einem Flugzeug fest, das nach Spanien starten sollte.

Wie das Paar aus dem Quarantäne-Hotel in der Nähe des Flughafens entkommen konnte, sei ein Rätsel, sagte ein Sprecher der Grenzpolizei nach Angaben des Senders NOS. „Verschiedene Einheiten sorgen dafür, dass niemand in das Hotel oder heraus gelangt, darunter auch die Grenzpolizei.“ Unklar ist den Polizeiangaben zufolge auch, wie die beiden in das Flugzeug gelangen konnten. Nach ihrer Festnahme wurden sie der niederländischen Gesundheitsbehörde übergeben und wieder unter Quarantäne gestellt.

Die Polizei erstattete Anzeige wegen Verletzung der gesetzlichen Quarantänepflicht. Über ein Strafverfahren wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit müsse nun die Staatsanwaltschaft entscheiden, sagte der Sprecher.

Auf dem Amsterdamer Flughafen waren am Freitag bei 61 von 624 Passagieren, die aus Südafrika eingereist waren, Corona-Infektionen festgestellt worden. Die Betroffenen wurden in das Quarantäne-Hotel gebracht. Am Sonntag teilte der staatliche Gesundheitsdienst RIVM mit, dass mindestens 13 der 61 positiv getesteten Personen mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron infiziert seien. Ob auch das geflohene Ehepaar mit dieser wahrscheinlich hoch ansteckenden Variante infiziert ist, war zunächst unklar.

Belgien hat bereits vor dem Auftreten der Omikron-Variante einen dreiwöchigen „Lockdown-Light“ angeordnet: „Wir müssen zugeben, dass wir vom Virus überrascht wurden und die Situation viel ernster ist als noch vor einigen Wochen“, sagte der belgische Premierminister Alexander De Croo am Freitag. De Croo fügte hinzu, dass „der Druck auf unsere Krankenhäuser stark zunimmt und diese Situation nicht haltbar ist“.

In Belgien wird das Leben in den nächsten drei Wochen auf verschiedene Weise eingeschränkt. Nachtclubs werden geschlossen und Indoor-Konzerte, bei denen keine Sitzplätze vorhanden sind, werden abgesagt. Diese Maßnahme trat am Montag in Kraft. Bars, Restaurants und Nachtläden müssen um 23 Uhr schließen. Die Anzahl der Personen an einem Tisch in Restaurants wird auf sechs beschränkt, außer für Familien. Private Feiern sind verboten, mit Ausnahme von Hochzeiten und Beerdigungen. Es ist jedoch weiterhin erlaubt, Gäste zu Hause zu empfangen. (mit dpa und AFP)