US-Präsident Donald Trump.
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BerlinDie Trump-Administration zeigt sich ungehalten. Man vermisse die Unterstützung der Verbündeten, klagte jetzt der amerikanische Außenminister Mike Pompeo in Donald Trumps Haussender Fox News. Briten, Franzosen und Deutsche müssten doch verstehen, dass die Ausschaltung des iranischen Generals Ghassem Soleimani auch in Europa Leben gerettet habe.

Müssen sie das wirklich? Niemand im Westen trauert diesem Schlächter des Mullahregimes auch nur eine Träne nach. Dennoch sollte Europa deutlich auf Distanz zu Trumps Nah- und Mittelostpolitik gehen, die zunehmend einer Geisterfahrt gleicht. Denn schließlich hat der US-Präsident, der unter Partnerschaft wohl eher Gefolgschaft versteht, vor der jüngst herbeigeführten Eskalation keinen seiner Verbündeten eingeweiht.

Sein außenpolitischer Kurs ist bekanntermaßen erratisch, sprunghaft und impulsiv. Noch vor Monaten warb er um ein Treffen mit den Mullahs, jetzt lässt er ihre Generäle abschießen. Auf dem explosivsten und langwierigsten Konfliktherd der Welt geht Trump so sensibel vor wie ein Dynamitfischer.

Europa darf nicht neutral bleiben

Eine gemeinsame Strategie des Westens im Umgang mit dem Iran – die gab es tatsächlich einmal. Sie gipfelte im Atomdeal von 2015. Das Abkommen war keineswegs perfekt, aber ausbaufähig, gerade mit Blick auf konventionelle Waffen und die regionale Expansion des Iran. Trump hat diesen Weg verlassen, nicht weil der Deal hoffnungslos schlecht war, sondern weil ihn sein Vorgänger Barack Obama eingefädelt hatte.

Für die jetzige Eskalation trägt der US-Präsident daher allein die Verantwortung. Natürlich darf Europa in diesem Konflikt nicht neutral bleiben, muss aber klarstellen, dass es einen komplett anderen Lösungsansatz als der US-Präsident verfolgt.