Hamburg - Fake-News, die bei Facebook kursieren, Datendiebstahl bei Yahoo, Social Bots, die im Wahlkampf Wähler manipulieren, massenhafte Überwachung von Bürgern, ein Bundesnachrichtendienst, der deswegen verklagt wird, Drohnen, die Daten erheben, Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Verschlüsselung – kaum ein Tag vergeht, an dem diese Themen in der Öffentlichkeit und der Berichterstattung keine Rolle spielen.

Der 33. Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC)

Auch auf dem 33. Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC), auch 33C3 genannt, debattieren Hacker, Netzaktivisten, Techniker, Blogger, Programmierer und  Computerexperten wieder über die neusten Technik-  und Internetentwicklungen  und zeigen damit, wie wichtig die Veranstaltung längst  geworden ist - auch über die Community-Grenzen  hinweg. Es ist der größte europäische Hacker-Treff. „Works for me“ – funktioniert bei mir  - heißt das diesjährige Motto des Hackerkongresses.

Eine Phrase, die oft von Software-Programmierern verwendet wird, wenn ein Nutzer  ein Problem meldet, von dem der  Techniker nicht betroffen ist -  und das Problem für ihn dadurch  an Notwendigkeit verliert. Diese Anti-Haltung gegenüber anderen wollen die Technik- und Netzaktivisten in diesem Jahr in den Fokus nehmen.

Tickets waren sofort weg

Mehr als 12.000 Besucher werden im Hamburger Kongresszentrum erwartet, die Tickets waren im Nu ausverkauft. Bei der Eröffnungsrede mussten die Türen am Dienstag kurz vor elf geschlossen werden, die 3000 Plätze waren frühzeitig besetzt.

„Unsere Freiheiten werden mehr und mehr beschränkt, Geheimdienste infiltrieren Standards und Software“, sagte Anna Biselli von Netzpolitik.org am Dienstag zum Auftakt des Kongresses. „Haben wir denn  nichts von Snowden gelernt?“ Freie Meinungsäußerung werde zensiert, Rechtspopulisten kämen an die Macht, schon längst gehe es nicht mehr ausschließlich um die digitale Welt.

Sie rief dazu auf, sich zu vernetzen und gemeinsam für eine bessere Welt gegen Hass einzusetzen. „Versucht das nächste Jahr zu einem besseren zu machen.“

So geht es in diesem Jahr unter anderem auch darum, wie man Kinder und Jugendliche schon in der Schule für Datenschutz und Überwachung sensibilisieren kann. Der Chaos Computer Club hat dazu schon vor zehn Jahren das Projekt „Chaos macht Schule“ ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz und Technikverständnis näher zu bringen. 

Debatte um Datenhehlerei

Debattiert wird auch der neue Straftatbestand zur Datenhehlerei, der Kampf ums Abmahnwesen, der NSA-Untersuchungsausschuss oder die Verbreitung von Falschnachrichten im Netz.

Immer wieder geht es in den Panels auch um das Spannungsfeld zwischen Datenschutz-  und Persönlichkeitsrecht und dem Bedürfnis nach mehr Sicherheit. Kurt Opsahl von der  Electronic Frontier Foundation schilderte dazu den Fall des FBIs, der Anfang des Jahres Apple per Gerichtsbeschluss dazu  zwingen wollte, das Handy des islamistischen San-Bernardino- Terroristen zu entschlüsseln.

Dies sei keine technische Frage, sondern eine politische. Auch Donald Trump habe sich damals dazu geäußert und Apple kritisiert.  Auch Trumps neuer CIA-Chef, Mike Pompeo, spreche sich gegen Verschlüsselung und für den Abbau von Hürden zur Überwachung aus. „Eine gefährliche Denkweise“, betonte Opsahl.

Noch bis Freitag diskutieren die Hacker in Hamburg im CCH. Es ist vorerst das letzte Mal, dass sich die Szene dort trifft. Das Gebäude soll bis 2019 saniert werden.