Berlin - Bei der Europawahl zeichnet sich in Ostdeutschland ein Triumph mit starken Zugewinnen für die AfD ab. Während das gesamtdeutsche Ergebnis der Partei hinter ihren Wert von der Bundestagswahl vor zwei Jahren zurückfällt und bundesweit bei knapp elf Prozent liegt, gewinnt die AfD in Ostdeutschland teilweise stark hinzu.

In Sachsen und Brandenburg zeichnete sich am Abend ab, dass die AfD sogar vor der CDU lag und stärkste Kraft werden kann. In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern war es dagegen umgekehrt und die Union führte mit klarem Abstand – vor der zweitplatzierten AfD.

Die Europawahl galt auch als Stimmungstest für die im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen.

„Nicht überraschend, aber bedrückend“

Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, zeigte sich angesichts der Ergebnisse in Ostdeutschland besorgt. „Das ist zwar nicht wirklich überraschend, aber bedrückend“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich hoffe, dass die Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen im Herbst höher und das AfD-Ergebnis damit geringer ausfällt.“

Auch könne man hoffen, dass viele ostdeutsche Wähler die Europawahl als Protestwahl betrachtet hätten und bei den Landtagswahlen möglicherweise stärker die denkbaren Folgen in den Blick nähmen, so Birthler.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), sagte dem RND: „Wenn man die Wahl als Protest bewertet, gilt es zugleich einzugestehen, dass es Unzufriedenheit gibt mit der Politik in Berlin und Brüssel.“ Zur Wahrheit gehöre „wohl auch, dass sich viele Bürger im ländlichen Osten von der Politik nicht repräsentiert fühlen“, sagte Hirte.

AfD läuft CDU den Rang ab

Nachdem die AfD in Sachsen schon bei der Bundestagswahl 2017 auf Platz 1 im Freistaat landete, lag sie nach Auszählung von etwa der Hälfte der Stimmbezirke klar vor der CDU. In Brandenburg führte die AfD nach Auszählung von 15 der 18 Kreise vor der CDU. In Thüringen lag die CDU nach Mitternacht knapp vor der AfD, ebenso in Sachsen-Anhalt.

Etwas deutlicher war in Mecklenburg-Vorpommern der CDU-Vorsprung vor der AfD: Nach Auszählung von etwa der Hälfte der Wahlbezirke kommen die Christdemokraten auf 25,2 Prozent der Stimmen. Die AfD kommt auf 19,8 Prozent. (Markus Decker/RND)