Das Hauptquartier der euroäischen Ermittlungsbehörde Europol in Den Haag in den Niederlanden.  (AP Photo/Mike Corder, File)
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Den HaagDie weltweite Coronakrise hat auch Auswirkungen auf das internationale Verbrechen. Wie Europol jetzt mitteilte, hätten Kriminelle „schnell Gelegenheiten ergriffen, um die Krise auszunutzen, indem sie ihre Modi Operandi angepasst oder neue kriminelle Aktivitäten“ entwickelt hätten. So gebe es derzeit eine „hohe Nachfrage nach bestimmten Waren, Schutzausrüstung und pharmazeutischen Produkten“. 

Zudem würde aufgrund der diversen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ein Großteil der Bevölkerung die meiste Zeit zu Hause und damit auch in der digitalen Welt verbringen. Dort könnten Kriminelle angreifen.

Europol hat einen Situationsbericht veröffentlicht, in dem die aktuellen Entwicklungen analysiert werden. Dabei hätten sich vier Hauptkriminalitätsbereiche herauskristallisiert.

Cyberangriffe werden zunehmen

Im Bereich des Betrugs hätten Kriminelle besonders schnell reagiert und würden nun mit angepassten Telefonbetrugs-Maschen agieren, in denen die Angst der Menschen vor dem Coronavirus ausgenutzt wird. So sind Fälle aus Berlin bekannt, in denen angebliche Verwandte am Telefon um hohe Geldsummen baten, um für die Corona-Behandlung notwendige Medikamente kaufen zu können.

Auch unter dem Stichwort Cybercrime sei die Zahl der Angriffe derzeit „erheblich und wird voraussichtlich zunehmen“. Gemeint sind damit  Cyberangriffe gegen Organisationen und Einzelpersonen. Kriminelle „hätten die COVID-19-Krise genutzt, um Social-Engineering-Angriffe im Zusammenhang mit der Pandemie durchzuführen und verschiedene Malware-Pakete zu verbreiten“. So habe es in Tschechien einen Cyberangriff auf ein Krankenhaus gegeben, der „das Krankenhaus zwang, sein gesamtes IT-Netzwerk zu schließen, dringende chirurgische Eingriffe zu verschieben und neue Akutpatienten in ein nahe gelegenes Krankenhaus umzuleiten.“

Homeoffice macht Unternehmen angreifbarer

Problematisch sei zudem, dass viele Arbeitgeber ihre Angestellten ins Homeoffice geschickt hätten und somit externe Verbindungen zu den Systemen ihrer Organisationen zulassen müssen.

Auch der Verkauf von „gefälschten Gesundheits- und Sanitärprodukten sowie persönlicher Schutzausrüstung und gefälschten pharmazeutischen Produkten“ hat laut Europol seit Ausbruch der Krise „um ein Vielfaches“ zugenommen. Hier bestehe das Risiko, „dass Fälscher Engpässe bei der Lieferung einiger Waren nutzen, um zunehmend gefälschte Alternativen sowohl online als auch offline anzubieten“.

Mehrere EU-Mitgliedstaaten haben nach Europol-Angaben zudem über eine ähnliche Vorgehensweise bei Diebstählen berichtet. Die Täter hätten sich demnach Zugang zu Privathäusern verschafft, indem sie sich „als medizinisches Personal ausgeben, das Informationsmaterial oder Hygieneprodukte bereitstellt, oder einen Corona-Test durchführt“. Während die Hausbesitzer dann abgelenkt seien, würden Komplizen der angeblichen Behördenvertreter das Haus oder die Wohnung nach Wertgegenständen durchsuchen. 

Zudem rechnet Europol damit, dass Geschäftsräume und medizinische Einrichtungen, in denen weltweit begehrte Artikel wie Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel gelagert werden, zunehmend ins Visier organisierter Einbruchsbanden geraten.

„Echte Risiken für das Leben von Menschen“

Europol-Chefin Catherine De Bolle sagte: „Diese Pandemie bringt das Beste, aber leider auch das Schlimmste in der Menschheit hervor“. Derartige kriminelle Aktivitäten „während einer Krise der öffentlichen Gesundheit sind besonders bedrohlich und können echte Risiken für das Leben von Menschen mit sich bringen“,so De Bolle weiterhin mit. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson sagte, die EU und ihre Mitgliedstaaten würden „ihre Bemühungen um die Sicherheit der Menschen verstärken“.

Johansson sei „entschlossen sicherzustellen, dass die Kommission alles in ihrer Macht Stehende tut, um die Strafverfolgung angesichts dieser neuen Bedrohung zu unterstützen“.