Dresden - Er war ein Idol der Wutmenschen. Die Pegida-Bewegung liebte den bösartigen Grantler aus Österreich, seine 88 Internet-Filmchen waren ein Renner. Manche der fünf- bis zehnminütigen Streifen wurden von 80.000 Leuten gesehen: Immer dieselbe 50er-Jahre Wohnzimmerkulisse, ein scheinbar alter glatzköpfiger Mann in einem roten Lehnstuhl, der vor sich hin schimpft, eine Flasche Rotwein und Glas auf einem Beistelltischchen, ein paar Benzinkanister.

Ostermontag hatte er sogar einen großen Live-Auftritt vor Tausenden Menschen in Dresden: „So, liebe Freunde“, stellte Pegida-Anführer Lutz Bachmann den Ehrengast aus der Alpenrepublik unter großem Applaus vor. „Wir begrüßen Dr. Alfons Proebstl!“

Fremdenfeindlicher Bühnenauftritt in Dresden

Die Dresdner Bühne war ein Nachbau seiner Internet-Kulisse. Proebstl, der scheinbar alte Mann, im Sessel hockend, neben sich eine Flasche Rotwein, hetzt dann auch sofort los ganz nach dem fremdenfeindlichen Geschmack der Menge. Er beschimpft Flüchtlinge als „Invasoren“, macht sich über „sprenggläubige Muslime“ und Deutschland lustig, den „Weltmeister im Import von Asylanten“.

In seinen Filmchen geht es noch grober zu. „97 Prozent der Flüchtlinge sind keine“, behauptet Dr. Alfons Proebstl leise grantelnd mit österreichischem Akzent. „Eine Befragung hat ergeben, dass 70 Prozent der absichtlich einreisenden Afrikaner schon einmal eine Frau vergewaltigt haben.“

Percy Hoven ist Dr. Alfons Proebstl

Nun ist herausgekommen: Dr. Alfons Proebstl gibt es gar nicht. Der Mann ist eine Kunstfigur, eine Verkleidung, hinter der sich Percy Hoven verbirgt, ein ehemaliger C-Promi aus dem Privatfernsehen, der vor 15 Jahren einmal Big Brother moderierte und heute mit seiner Familie in Bobingen bei Ausgburg lebt.

Sein Vater Adrian Hoven war ein bekannter Nachrkiriegsschauspieler, bekannt aus leichten Filmen wie „Im weißen Rössl“.
Ein Journalist des Bayerischen Rundfunks ist dem Sohnemann auf die Schliche gekommen, in der Augsburger Allgemeinen hat der 50-jährige Porträtmaler nach seiner Enttarnung eine Erklärung abgegeben, die sein Tun entschuldigen soll.

Hoven entschuldigt und distanziert sich

„Diese Kunstfigur sollte einzig und allein der Überspitzung des gesellschaftlichen und politischen Diskurses dienen. Dementsprechend waren seine Aussagen extrem provokant. Dies war als reine, wenn auch böse Satire gedacht. Ich distanziere mich ausdrücklich von dem Vorwurf der rechten Meinungsmache“, schreibt Hoven.

Die Inhalte der Kunstfigur entsprächen in keinster Weise seiner persönlichen Überzeugung, geht es weiter. „Der Auftritt bei Pegida war ein großer Fehler, den ich zutiefst bedaure und gerne rückgängig machen würde, wenn ich könnte.“

Tatsächlich stecke hinter Dr. Alfons Proebstl ein Gemeinschaftsprojekt von Hoven, dem Münchener Produzenten Alfred Schropp und seinem Redaktionsteam. Hoven: „Die Dynamik der Kunstfigur haben wir vollkommen unterschätzt. Es war nie unsere Absicht zu hetzen.“ Das man dies so auffassen konnte, dafür entschuldige er sich nun.

„Charakterlos“ und „ohne Rückgrat“

Ob der angebliche Satiriker so leicht aus der schäbigen Nummer herauskommt, darf bezweifelt werden. Im Internet schlägt sein Fall hohe Wellen, seine Anhänger aus der Pegida-Parallelwelt können es nicht fassen und basteln sich passende Erklärungen: Eine Verschwörung des „Systems“, Zensur, eine Intrige des BND und „linke Meinungsmache“.

Die Enttäuschten beschimpfen ihn nun als „charakterlos“ und „ohne Rückgrat“. Hoven sei eingeknickt vor der „Lügenpresse“. Einer schimpft: „Sie sind für mich ein verlogener Selbstdarsteller. Mögen Sie Ihre gerechte Strafe bekommen.“

Pegida-Anführer Bachmann hat auf die Enttarnung seines Ehrengastes mit der Gummiglatze bislang nicht reagiert.