Vor einem guten Monat hat Peter Hintze sich zum ersten Mal als Berater von Christian Wulff geoutet. Kurz vor dem Fernsehinterview des Bundespräsidenten fuhr der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ins Schloss Bellevue. Wulffs Sprecher war gefeuert, ganz alleine, so schien es, wollte die CDU Wulff nicht werkeln lassen, aller Überparteilichkeits-Beteuerungen zum Trotz. Also kam Hintze. Das Interview wurde nicht wirklich ein Erfolg für Wulff.

Inzwischen ist der ehemalige CDU-Generalsekretär, der Mitte der 90er-Jahre die umstrittene Rote-Socken-Kampagne der CDU verantwortete, der wohl letzte Verteidiger des Präsidenten. Und er verteidigt ohne Einschränkung. Er sitzt in Talkshows und erklärt, alle Vorwürfe seien „aufgeklärt oder widerlegt“. Er spricht von Skandalisierung, Sensationsmache und parasitärer Berichterstattung. Es ist kein Werben um Verständnis, der gelernte Pfarrer Hintze setzt auf Aggressivität.

Die Medien "sind unfair"

Sein Feind sind die Medien. Die seien unfair, weil sie immer weiter berichteten, obwohl sich nichts belegen lasse, und weil sie über den Hauskredit Wulffs berichtet hätten, als der im Ausland weilte. Er wirft Moderatoren suggestive Fragestellung vor und sagt selbst Sätze wie: „Im deutschen Fernsehen ist es wohl nicht zugelassen zu widersprechen.“ Hintzes Lieblingswort ist „Rechtsstaat“. In einem solchen müssten Vorwürfe bewiesen werden. Und die Moral? Da habe jeder andere Maßstäbe.

All das hat eine gewisse Logik: Wenn Hintze Wulff berät, dann ist jede Kritik an Wulffs Auftreten auch eine Kritik an Hintze. In der Talkshow von Günther Jauch hat der 61-Jährige am Sonntag erklärt, es sei nicht so einfach , sich gegen die gesamte öffentliche Meinung zu stellen. Vielleicht sieht er die Sache als Herausforderung.

Er hat schon ab und an eher einsam gekämpft in der CDU, für Frauenquote und Präimplantationsdiagnostik. Bei beiden Themen hatte er irgendwann genügend Unterstützer, bei Wulff wird Hintze wohl alleine bleiben. Er kann sich aber sich des Wohlwollens der Kanzlerin gewiss sein – sie will sich nicht schon wieder einen neuen Präsidenten suchen .

Hintze spielt den Wulff-Übersetzer

Also spielt Hintze den Wulff-Übersetzer, und dabei wird er ganz weich. Der Präsident sei stark von seinem Gerechtigkeitsempfinden bestimmt, sagt Hintze. „Er fühlt sich verletzt.“ In Jauchs Sendung hat man nach alten Hintze-Auftritten gekramt. Zu Beginn der CDU-Spendenaffäre 1999 hatte Hintze in einer Talkshow erklärt: Für alle erhobenen Vorwürfe gebe es keine Beweise.