Eine Frau möchte Donald Trump von Twitter verbannen. Das allein ist keine Überraschung – regelmäßig werden Petitionen gestartet, die Twitter dazu auffordern, den Account des US-Präsidenten zu sperren, denn Trump sorgt immer wieder mit reißerischen und provokanten Kurznachrichten in dem sozialen Netzwerk für Empörung. Die jüngste Aktion allerdings hat eine besonders prominente Initiatorin: Valerie Plame Wilson ist eine ehemalige CIA-Agentin. 

Eine Milliarde um Trump zu stoppen

Sie will Twitter nicht höflich bitten, sondern so viele Anteile an dem Unternehmen kaufen, dass sie selbst darüber entscheiden kann, Trumps Account zu sperren.  Plame Wilson hat dafür eine Crowdfunding-Kampagne im Netz gestartet. Eine Milliarde Dollar (umgerechnet etwa 850 Millionen Euro) will sie damit für den Kauf von Twitter sammeln.

Der US-Präsident habe über Twitter bereits zu viele schreckliche Dinge angerichtet, schreibt sie dazu. Er habe Gewalt gegen Journalisten verherrlicht, Gewalt durch Nazis herabgespielt und mit seinen Drohungen gegen Nordkorea eine ernsthafte Gefahr für die Welt heraufbeschworen – das will Plame Wilson nicht zulassen.

Die Plame-Affäre

Mit gefährlichen Machenschaften der Regierung hat die 54-Jährige nämlich Erfahrung. Sie war Schlüsselfigur in der Plame-Affäre, einem politischen Skandal zu Zeiten des Irak-Krieges. Und der liest sich wie eine durchkomponierte Folge der Polit-Thriller-Serie „House of Cards“.  

Während ihrer Tätigkeit als CIA-Agentin lernte Valerie Plame ihren Ehemann, den US-Diplomaten Joseph Wilson, kennen. Dieser reiste 2003 im Auftrag der Bush-Regierung nach Niger, das unter dem Verdacht stand, Uran zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen an den Irak zu verkaufen.  

Wilson befand diesen Verdacht nach seiner Reise für haltlos befand. Auch die internationale Atomenergieorganisation kam später zu diesem Ergebnis. Dennoch hielt die Regierung an den Behauptungen fest   - und begann deshalb den Krieg.

Enttarnung als Todesurteil

Aber die Wilsons gaben nicht auf. „Was ich in Afrika nicht gefunden habe“, lautete der Titel eines kritischen Artikels, den Joseph Wilson am 3. Juli 2003 in der New York Times veröffentlichte - und der seine Frau die Karriere als CIA-Agentin kostete. Nur wenige Tage später enttarnte  sie ein Journalist der Washington Post. Er war aus Regierungskreisen informiert worden.

In den USA ist die Enttarnung von Geheimdienst-Mitarbeitern eine schwere Straftat. Valerie Plame Wilson war zudem eine „nicht offizielle“ Agentin. Diese stehen offiziell mit der CIA in keiner Verbindung. Fliegt ihre Identität auf, sind sie mit allen Konsequenzen ohne diplomatische Hilfe auf sich allein gestellt – in bestimmten Ländern  ein sicheres Todesurteil. 

Flucht nach vorne

Für Plame Wilson bedeutete die Enttarnung das Aus ihrer Karriere. Die Agentin musste ihre Arbeit bei der CIA daraufhin beenden, doch anstatt sich zurückzuziehen, trat Valerie Plame Wilson mit ihrer Geschichte immer wieder in die Öffentlichkeit.  Ihr Buch „Fair Game: Wie eine Top-Agentin der CIA von ihrer eigenen Regierung betrogen wurde“ wurde 2010 mit Naomi Watts in der Hauptrolle verfilmt.

Valerie Plame Wilson ist eine Kämpferin. Ob sie es aber schafft, Donald Trump – wenn auch nur in den sozialen Medien – zu stoppen? Bislang hat ihre Crowdfunding-Kampagne erst knapp 40 000 Dollar eingesammelt.