Lange hatte man nichts mehr von ihr gehört. Nun hat die ehemalige Sprecherin der Pegida-Bewegung (kurz: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), Kathrin Oertel, am Donnerstag zusammen mit ihrem Ex-Mann gegen eine Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Radebeul protestiert. Die zwölf Flüchtlinge sollen in ein Nebengebäude einer christlichen Schule einziehen. Interessant dabei: Oertels Ex-Mann, Frank Oertel, arbeitet beim Landeskriminalamt in Sachsen, wie ein Sprecher des Amtes dieser Zeitung bestätigte.

Beide gaben dem Onlineportal „Mopo24“ vor laufender Kamera ein Interview. Oertel kritisiert darin, dass sie erst am Mittwochnachmittag Bescheid bekommen hätten, dass in das Nebengebäude zwölf Flüchtlinge einziehen sollen. „Wir wissen ja überhaupt nicht, wo diese Leute herkommen und ob sie überhaupt eine Gesundheitsprüfung gehabt haben. Das haben wir alles nicht erfahren.“

Sie sei persönlich betroffen, denn nebenan gingen ihre Kinder in den Hort. Oertel fordert deshalb eine „räumliche Trennung in Form eines Zauns“.

Ihr Ex-Mann, Frank Oertel, pflichtet ihr bei: „Wir demonstrieren nicht gegen die Flüchtlinge. Wir stehen hier, weil wir nicht zufrieden sind mit diesem Zustand, dass man uns erst gestern Abend darüber informiert hat“, sagt er. Dann fällt ihm Kathrin Oertel ins Wort, eine „Unverschämtheit“ sei das. Sie fühle sich als Elternteil übergangen, der Bürger werde verarscht. „So funktioniert Demokratie nicht“, sagt Oertel.

Etwaiger Verstoß wird geprüft

Der Sprecher des Landeskriminalamtes in Sachsen äußerte sich am Nachmittag zu dem Vorfall: „Man muss auch einem Beamten die Rechte eines jeden Bürgers zugestehen. Unabhängig eines etwaigen Verstoßes gegen bestehende Gesetze, prüfen wir natürlich auch die Verletzung besonderer Beamtenpflichten, wie zum Beispiel die Wohlverhaltenspflicht oder die Zurückhaltung bei der politischen Betätigung. Herr Oertel ist hier aber nicht als Vertreter des LKA Sachsen aufgetreten, sondern als Privatmann, Bürger und Vater. Die notwendige rechtliche und disziplinarrechtliche Betrachtung ist bereits veranlasst“, sagte Tom Bernhardt.

Kathrin Oertel war rund anderthalb Monate Sprecherin der flüchtlingskritischen Pegida-Bewegung. Im Januar 2015 trat sie zurück, da es immer wieder Streitigkeiten innerhalb der Führung gab.