Denis Cuspert, der zum Führungskreis der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gehört, soll angeblich in Syrien getötet worden sein. Wieder einmal. Seit der vergangenen Woche kursieren in sozialen Netzwerken Gerüchte, wonach das Fahrzeug des 39-Jährigen am 16. Oktober bei einem Luftangriff nahe der Stadt Rakka getroffen worden sein soll.

Die Nachricht wurde zunächst bei Facebook verbreitet. Sie wurde von verschiedenen arabischsprachigen Nachrichtenseiten übernommen. Auf Twitter kursiert sogar ein Foto, das Cusperts Leiche zeigen soll. Am Dienstag berichtete die Deutsche Presseagentur über eine entsprechende Meldung des auf Terrorismusbeobachtung spezialisierten US-Webportals Site – welches sich wiederum auf Meldungen der sozialen Netzwerke bezieht.

Allerdings behandeln viele Nachrichtenseiten die Todesmeldung vorsichtig und verweisen darauf, dass es sich um Gerüchte handele. Offizielle Stellen können Cusperts Tod bislang nicht bestätigen. „Wir haben keine Informationen darüber“, sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes am Mittwoch.

Kampfname "Abu Talha al-Almani"

Cuspert, der sich in Berlin eine Zeit lang als Rapper unter dem Namen „Deso Dogg“ versucht hatte, radikalisierte sich ab dem Jahr 2010. Er legte sich den Kampfnamen „Abu Talha al-Almani“ zu und ging Anfang 2013 nach Syrien. Im April 2014 schwor er öffentlich dem Anführer der Gruppe „Islamischer Staat in Irak und Syrien“ seine Treue.

In zahlreichen Propagandavideos rief er zu Gewalt gegen „Ungläubige“ auf. Des Öfteren drückte er darin seinen Wunsch aus, den Märtyrertod zu sterben. Weil Cuspert Zivilisten zu legitimen Zielen erklärte und verdächtig ist, Terroranschläge gegen westliche Einrichtungen zu planen, warnt das Bundeskriminalamt öffentlich vor ihm.

Cuspert werden zudem Gräueltaten an syrischen Gefangenen angelastet. So posierte er unter anderem mit abgeschnittenen Köpfen. Ein Video zeigt, wie er im vergangenen Jahr die Leiche eines Gegners schändete, indem er immer wieder mit einem Schuh auf deren Kopf einschlug.

Anfang dieses Jahres setzten die USA den Berliner auf ihre Terroristenliste, was ihm in seinen Kreisen noch mehr Popularität eingebracht haben dürfte.

Seine Tode stärken den Mythos um ihn

Der Extremist wurde bereits mehrmals für tot erklärt. Sein vermeintlicher Heldentod wurde schon 2013 im Internet vermeldet, als er durch einen Bombenangriff syrischer Kampfflugzeuge im Raum Aleppo tödlich verwundet worden sein soll. Auch damals kursierte ein Foto von dem angeblich Getöteten im Internet, und seine Anhänger feierten Cuspert als Märtyrer. Einige Monate später meldete er sich mit Videos zu Wort, in denen er sich an Gleichgesinnte im Westen wandte, um für den Heiligen Krieg zu werben.

Im Frühjahr 2014 kam er dann angeblich bei einem Bombenanschlag der rivalisierenden Al-Nusra-Front um, wie im Internet verbreitet wurde. Auch das stimmte nicht.

Nach Ansicht von Verfassungsschützern haben solche Todesgerüchte um den Berliner und dessen "Wiederauferstehung" auch das Ziel, unter den Anhängern Cusperts, der vor allem im deutschsprachigen Raum bei manchen Jugendlichen populär ist, dessen Märtyrer-Image zu stärken.

Nach Ansicht des Berliner Terrorismusforschers Berndt Georg Thamm haben solche Gerüchte um Tod und Wiederauferstehung von Dschihadistenführern auch das Ziel, den Mythos um diese Personen zu stärken. „Gewissheit hat man erst, wenn der IS und mehrere Geheimdienste den Tod bestätigen“, sagte Thamm der am Mittwoch.