Das Logo der Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion steht übergross an der Wiese vor dem Reichstag. Dort haben sich einige Tausend Demonstranten zu einem Protestcamp zusammengefunden.
Foto: Annette Riedl/dpa

BerlinAm letzten Tag im Klima-Camp von Extinction Rebellion (XR), zeigt sich der Platz von seiner schönsten Seite: Auf dem Boden liegen abgefallene Baumblätter wie ein bunter Läufer in den eigenen vier Wänden. Die farbigen Zelte, die langsam von ihren Bewohnern abgebaut werden, leuchten in der Mittagssonne – im Hintergrund spielt leise Musik aus einem Lautsprecher. In wenigen Minuten wird sie dann ausgeschaltet und Alexander Nies wird mit zwei Kameraden auf eine kleine Bühne aus Kartons sitzen.

Der 26- jährige Student hat mit ihnen und rund 400 Freiwilligen eine Woche im Camp an Vorschlägen für eine bessere Klima-Politik gearbeitet. Das war auch der Anmeldegrund für das Camp: Die Aktivsten wollten eine "Bürger*Innenversammlung" proben. Jene bringt per Losverfahren unterschiedliche Menschen aus jeder gesellschaftlichen und politischen Schicht zusammen, um zu lernen, zu beratschlagen und Empfehlungen für ein bestimmtes Problem von öffentlichem Belang zu erarbeiten.

Extinction Rebellion will, dass die Politik handelt

Dazu kamen verschiedene Experten, wie die Klimaaktivistin Carola Rakete und der Philosoph Charles Eisenstein vorbei. Nies betont jedoch, dass sie in der Woche nur jeweils vier Stunden zum Diskutieren und Beratschlagen hatten - „in echt würde das über einen längeren Zeitraum gehen.“

Als Beispiel von gelungenen Versammlungen geben die Rebellen oft jene in Irland an, bei der die Aufhebung des Abtreibunsgverbots erarbeitet wurde. Nies und die Rebellen wollen es jetzt für das Klima-Problem nutzen. Mit der Politik und den Reaktionen sind sie bisher nämlich unzufrieden.

Zwar lobte etwa Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne), dass die „zumeist jungen Leute schnelleres Handeln gegen die Klimakrise fordern“, doch XR-Mitglied Carl Justus Fuchs sagt: „Wir wollen das die Politik jetzt handelt und nicht uns kurz lobt und es dann wieder vergisst. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

112.000 Euro wurde für das Klima-Camp am Kanzleramt in Berlin gesammelt

Die letzten Monate hat der 25-jährige Berliner das Camp in einem Team von etwa zwölf Leuten organisiert. Via Crowdfounding wurde dann 112.000 Euro gesammelt, dass die ganze Aktionswoche gedeckt habe. Noch erfreulicher sei aber das Engagement der Berliner gewesen: Viele haben die Woche über Decken, Regenponchos und Essen gespendet.

Das Team von Fuchs sei aber unsicher, wie viele letztlich kamen und geholfen haben. Auch genaue Zahlen zu den teilnehmen Rebellen in der Aktionswoche könnten sie nicht nennen und verweisen darauf, dass das Klima-Camp für sich stehe. Gezählt hat das Team 700 Zelte und 2.200 Zeltbewohner. Jenes sind aber die Leute, die angereist sind – die Berliner, die Zuhause schliefen sind nicht enthalten.

Die Rebellen meldeten zuvor bei den Veranstaltungen meist zwischen 500 und 1000 Aktivisten. Am Großen Stern waren sie zu Beginn der Woche, später an der Jannowitzbrücke, der Marschallbrücke und am Bundesumweltministerium. Die Schätzungen seitens der Polizei waren meist etwas geringer. Doch im einen sind sich beide einig: Die Zusammenarbeit verlief friedlich.

Das nächste Klima-Camp ist bereits in Planung

Etwas, auf das Fuchs gehofft habe. Denn seine Angst war es, dass sich randalierende Gruppen im Camp anschließen könnten und die Polizei dementsprechend reagieren würde. Doch Fuchs kann wie Nies aufatmen. Jetzt ist die Woche rum und die zahlreichen Besucher, die zur Verkündung ihrer Lösungsvorschläge zur Klimarettung gekommen sind, blinzeln neugierig in der Herbstsonne.

„Erneuerbare Energien sollten ehrliche Preise bekommen“, sagt Nies in ein Mikrofon und die Menge klatscht. Die Aufklärung des Klimawandels sollte voran getrieben und ein Klimagericht berufen werden, heißt es weiter. Auch mehr ökologische Aufklärung in Bildungsinstitutionen wünschen sich die Rebellen sowie Partizipation in gesellschaftlichen Strukturen.

Schnell kommen Fragen aus der Menge, wie das denn ginge und wer die Bürger bezahle, wenn sie an der Versammlung teilnehmen. Nies wirft das bedingungslose Grundeinkommen ein und verweist darauf, dass es erste Vorschläge sind, an denen die Rebellen gerne weiter arbeiten würden. Am liebsten in der Mitte der Gesellschaft. Und bald im nächsten Camp. Die Vorbereitungen laufen schon.