Verstößt der Satz „Nur ein toter Muslime ist ein friedlicher Muslime“ gegen Facebook-Standards? Und wie verhält es sich mit diesem Kommentar: „1 Kugel für dich!“? Nein, alles fein, kann man stehen lassen - so jedenfalls sieht es das Zuckerberg-Imperium.

Gefunden hat diese beiden Kommentare der Publizist Jürgen Todenhöfer (Pro Xavier Naidoo; Autor von „Inside IS“.) Er meldete die Hass-Postings und bekam von Facebook die Rückmeldung, dass die gemeldeten Texte nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstießen. (Wir erinnern uns: Oben-ohne-Bilder verstoßen gegen selbige.)

Lange schon schwelt die Debatte um Facebooks laxen Umgang mit rassistischen, menschenverachtenden Hass-Beiträgen. Justizminister Heiko Mass hat sich schon vor Monaten eingeschaltet und Facebook aufgefordert, seine Löschpraxis schärfer zu kontrollieren.

Persönliche Ansprache Zuckerbergs

Von den Beiträgen hat Todenhöfer Screenshots gemacht – und jetzt einen offenen Brief bei Facebook an Mark Zuckerberg geschrieben. Auf Deutsch. „Sie, Herr Zuckerberg, müssen sich hier viel stärker persönlich einbringen“, schreibt Todenhöfer zum Beispiel.

Man kann derartige Kommentare gar nicht oft genug melden. Man kann Facebook gar nicht oft genug auf die Füße treten, wenn es um das Einhalten von Standards geht. Man kann es nicht laut genug schreien. Man muss es sogar.

Nur muss man den Beitrag Todenhöfers auch mit einem gewissen Abstand betrachten. Kennzeichen eines Briefes ist ein Absender, ein Empfänger und eine Botschaft. Kann der Empfänger die Nachricht nicht lesen, weil der Absender in einer anderen Sprache schreibt, muss man sich fragen, was der Urheber eigentlich zum Ziel hatte.

Vielleicht hätte ein Brief in englischer Sprache den Verdacht nicht so nahe gelegt, dass Jürgen Todenhöfer auf den Facebook-Hass-Posting-Zug nur aufspringt, um sich ein wenig PR zu verschaffen. Verstößt zwar nicht gegen die Standards, fällt aber auf.