Facebook-Gründer Mark Zuckerberg scheut die Öffentlichkeit. Interviews, in denen er sich womöglich kritischen Fragen stellen muss, sind eine Seltenheit. Aus Sicht von Zuckerberg ist das mehr als verständlich. Denn Kritik an Facebook gibt es zuhauf, der Druck wird immer größer: Fake News, Hass und Hetze, Datenmissbrauch, kryptische Algorithmen, Meinungsmanipulation, Filterblasen. Keiner weiß genau, wohin Zuckerberg die Daten seiner weltweit zwei Milliarden Nutzer verkauft, welche Drittanbieter Zugriff auf welche Informationen haben.

Statt große Reden zu halten, hält sich der 33-jährige Chef des größten und einflussreichsten sozialen Netzwerkes der Welt gern bedeckt. Auch sein eigenes Portal nutzt er nicht so, wie er es von seinen Nutzern am liebsten hätte: Die paar Postings, die er im Monat auf seinem eigenen Profil veröffentlicht, schaffen andere an einem einzigen Tag. Und wenn, dann dienen sie der eigenen PR. Ab und an postet er Fotos von sich und seiner kleinen Familie. Dabei lacht er fröhlich, zeigt sich als treusorgender Familienvater, als Mann von nebenan. Die Bilder wirken wie kuratierte Katalogfotos. Auf dem Netzwerk der Eitelkeiten ist das gewiss nichts Besonders. Schnell vergisst man beim Scrollen durch sein Profil so aber, welches Milliarden-Imperium hinter diesem Mann steckt. Und damit auch: Wie viel Macht Zuckerberg hat.

Vor diesem Hintergrund wundert es daher nicht, dass Zuckerberg sich auch in den vergangenen Tagen in Schweigen gehüllt hat. Die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica soll sich von 50 Millionen Facebook-Nutzern Daten über einen Drittanbieter verschafft haben, der eine App zur Verfügung gestellt hat, die wiederum Zugriff auf Facebook hat.

Illegal, behauptet Zuckerberg, der von dem Datenmissbrauch schon seit 2015 wusste – und seine Nutzer darüber nicht informierte. Und der natürlich diese Schnittstelle zwischen Drittanbieter und Facebook überhaupt erst zur Verfügung gestellt hat - und daran selbstredend verdient.

Keinen größeren Datenskandal seit 2004

Seit der Gründung des sozialen Netzwerkes im Jahr 2004 gab es keinen größeren Datenskandal bei Facebook.  Es brauchte mehrere Tage, bevor Zuckerberg am Mittwoch seine Sprache wiederfand und sich zum ersten Mal seit Bekanntwerden des Skandals auf Facebook äußerte und Fehler einräumte. Ein Zuckerberg-Eintrag, unter den man zwar kommentieren, aber sicher nicht erwarten kann, dass der Facebook-Chef auf kritische Fragen antwortet.  Und in dem er sich selbst als Opfer darstellt.

Umso verwunderlicher, dass er dann doch noch am selben Abend dem Nachrichtensender CNN ein Interview gab und sein Schweigen brach. Auf sicherem Grund selbstverständlich: im Facebook-Headquarter in Kalifornien.

Im Interview zeigte sich der Facebook-Chef demütig. Das, was passiert sei,  „ist ein großer Vertrauensverlust“, sagte Zuckerberg,  „Es tut mir wirklich leid. Wir haben eine Verantwortung, die Daten der Menschen zu schützen. Wenn wir das nicht können, dann verdienen wir es auch nicht, den Menschen zu dienen“, erklärt er weiter. Er versprach, die Daten der Nutzer künftig besser schützen zu wollen. Notfalls wolle er sich sogar dem US-Kongress stellen und dort aussagen. Und mit emotionaler Stimme fügte er hinzu: „Ich möchte etwas hinterlassen, auf das meine beiden Töchter stolz sind“, so der Facebook-Chef.

Intransparenz als Bedrohung für die Demokratie

Das sind große Worte. Zuckerbergs Sätze klingen nach großer Empörung. Sie klingen nach Altruismus, Visionen, nach Welt verbessern. Doch längst ist Facebook nichts mehr davon. Das Netzwerk ist vor allem ein gigantisches Unternehmen, das seinen Profit durch die Daten seiner Nutzer schlägt, das sich nicht in die Karten schauen lassen will und zunehmend durch diese Intransparenz zu einer Bedrohung für die Demokratie wird. Wenn Zuckerberg von Datenschutz und Verantwortung spricht, sind diese  Worte ebenso kuratiert wie die Fotos in seiner Timeline. Sie wirken unglaubwürdig und inszeniert.

Seine reumütige Flucht nach vorn war jedoch dringend nötig geworden. Der Datenmissbrauch bei Facebook erschüttert das Imperium bis ins Mark. Der Vertrauensverlust durch den Datenmissbrauch ließ die Facebook-Aktie in den vergangen Tagen massiv verlieren. Der Börsenwert schrumpfte um mehr als 60 Milliarden Euro. Erste Investoren haben Klage eingereicht. Auf Twitter kursiert der Hashtag Delete Facebook – Lösche Facebook. Ob viele Nutzer dieser Aktion folgen, bleibt mehr als fraglich. Zumindest aber werden aber sicherlich einige durch den Datenskandal sensibilisiert werden, sich genau zu überlegen, welche Daten sie künftig  Mark Zuckerberg freiwillig zuspielen wollen.