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Als die Zwillinge Paul und Hansen Hoepner Freunden von ihren Reiseplänen erzählten, wurden sie erst einmal für verrückt erklärt. „Mit dem Fahrrad nach Shanghai? Ihr spinnt doch!“, sagten sie und brachen in schallendes Gelächter aus. Dass es den Brüdern aber durchaus ernst war mit ihrer 13.000 Kilometer langen Fahrradtour, merkten die Freunde ein paar Monate später.

Paul und Hansen hatten plötzlich kaum noch Zeit. Die Route musste geplant, Schlafsäcke und Zelte besorgt, Fahrräder ausgesucht und verschiedene Visa beantragt werden. Außerdem verbrachten die beiden ihre Nächte plötzlich lieber hinter dem Tresen einer Bar, als davor. Schließlich brauchten sie Geld für ihre Reise.

Die Brüder merkten aber ziemlich schnell, dass das Kellnern allein nicht reichen würde, und riefen im Internet dazu auf, ihr Projekt zu unterstützen. Crowdfunding heißt das Prinzip, bei dem zumeist Künstler Geld sammeln für Filme, Musikalben oder Buchveröffentlichungen. Aber es funktionierte auch bei ihnen. Mehr als 9000 Euro kamen durch einen Aufruf auf der Crowdfunding-Seite pling.de zusammen.

Tägliches Budget von 12 Euro

Paul und Hansen Hoepner sitzen am Küchentisch ihrer Berliner Altbauwohnung und frühstücken. Eigentlich ist es längst Nachmittag, aber die beiden sind gerade erst aufgestanden. „Es ist mal wieder spät geworden letzte Nacht“, erklärt Paul entschuldigend und gießt erst sich und dann Hansen Kaffee in die Tasse.
Dass die beiden Zwillinge sind, sieht man auf den ersten Blick gar nicht. Paul hat sich seine Schiebermütze tief ins Gesicht gezogen, Hansens Haare stehen wild vom Kopf ab. Aber spätestens beim zweiten Blick wird klar: Es sind Zwillinge, und zwar eineiige. Aber nicht nur das, die beiden 29 Jahre alten Brüder vom Bodensee sind auch beste Freunde und seit einem halben Jahr wohnen sie wieder unter einem Dach.

„Wir zwei verstehen uns einfach blendend“, sagt Paul mit Blick auf seinen Bruder und lacht. „Mit keinem anderen würde ich eine solche Tour machen.“
Paul und Hansen ahnen, was sie erwartet, denn es ist nicht ihre erste Fahrradtour. Vor ein paar Jahren sind sie vom niederländischen Maastricht, wo Hansen Produktdesign studierte, über die Alpen nach Mailand gefahren. 2010 radelten die Brüder von Berlin, wo Paul im Fach Human Factors studiert, in den Norden Norwegens, ihr Ziel waren die Lofoten.

Und warum nun ausgerechnet nach Shanghai? „Wir wollten so weit wie möglich in Richtung Osten fahren“, sagt Hansen. „Und uns reizen Länder wie Kasachstan, Kirgistan und China.“ Außerdem haben die beiden Brüder zurzeit weder eine feste Freundin, noch einen festen Job. Der Zeitpunkt war also günstig.
Hansen sei der Abenteurer von beiden, sagt Paul und bezeichnet sich selbst eher als Spießer. „Er ist es eigentlich immer, der die verrückten Ideen hat. Ich gucke dann erst mal, ob das alles überhaupt machbar ist. Lasse mich dann aber gern mitreißen.“

Vor ein paar Monaten haben die Brüder dann mal überschlagen, wie viel Geld sie für die sechsmonatige Reise und ihre ganze Ausrüstung brauchen. Obwohl die beiden im Zelt schlafen und ihr tägliches Budget mit nur 12 Euro veranschlagt haben, fehlten ihnen trotzdem noch 9 000 Euro. „Am teuersten sind die Fahrräder. Aber gerade bei den Rädern wollten wir keine Kompromisse eingehen“, sagt Hansen. „Denn Ersatzteile sind in Ländern wie Kasachstan und Kirgistan sicher nicht so leicht zu bekommen.“