Der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner hat einem Zeitungsbericht zufolge vor seinem Selbstmord die Ermordung eines 27-jährigen Mannes gestanden. Wie die „Welt“ unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, machte er das Geständnis in einem Brief an einen Fraktionskollegen. Der Fall werde demnächst eingestellt, hieß es.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wollte den Bericht am Mittwoch nicht bestätigen. Die Einstellung der Ermittlungen sei aber möglich, da es keinen Beschuldigten mehr gebe, sagte ein Sprecher.

Die Leiche des Berliner Piraten-Politikers Gerwald Claus-Brunner wurde am Montag gefunden. In der Wohnung entdeckte die Polizei noch eine zweite Leiche. Nach Informationen der Berliner Zeitung steht die Identität des Mannes jetzt fest: Bei dem Toten handelt es sich um den 27-jährigen Jan L. aus Wedding. Dieser war zeitweise Mitarbeiter in Claus-Brunners Wahlkreisbüro.

Claus-Brunner soll Jan Mirko L., der ebenfalls Mitglied der Piraten war, nachgestellt haben, so dass dieser ihn wegen Stalkings anzeigte. Jan Mirko L., der aus Steglitz-Zehlendorf stammte und dort aufs Gymnasium ging, soll sich mit der Entwicklung von Spielen befasst haben. Seit rund einem Dreivierteljahr wohnte er in einer kleinen Anderthalb-Zimmer-Wohnung in einem gepflegten Hinterhaus in Wedding.

Im Bücherregal, das in dem engen Flur steht, liegt „Eine Anatomie der Macht“ von Noam Chomsky. Das zerwühlte Bett im Zimmer dahinter wirkt, als wenn Jan L. gerade aufgestanden wäre. Im Ikea-Regal daneben stapeln sich Spiele. „Er ist meistens erst spät nach Hause gekommen. So zwischen ein und zwei Uhr nachts", sagt der Nachbar, der gegenüber wohnt.

Über Gerwald Claus-Brunner sagen Bekannte, dass er mit dem Mann, den er „Wuschelkopf“ nannte, nie als Paar aufgetreten sei. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hat Claus-Brunner Jan Mirko L. in dessen Weddinger Wohnung getötet. Die Leiche soll er mit Kabelbindern auf eine Sackkarre gebunden und in seine eigene Wohnung nach Steglitz geschafft haben.

Tatzeit war Donnerstag

Ob er sich an dem Toten noch sexuell verging, wie mehrere Medien meldeten, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen der Mordkommission. Die Rechtsmediziner fanden bei der Obduktion jedenfalls keine Hinweise darauf.

Der Mord geschah offenbar am vergangenen Donnerstag. Der Nachbar von gegenüber erinnert sich an laute Geräusche im Treppenhaus, während er sich ein Fußballspiel von Schalke 04 anschaute: „Es hörte sich an wie ein Kampf, aber niemand schrie. Dann knallte die Wohnungstür, und es war erstmal Ruhe.“ Auch an das Rumpeln der Sackkarre im Treppenhaus erinnert sich der Nachbar. „Aber ich wollte nicht nachgucken gehen. Manche ziehen hier ja auch bei Nacht und Nebel aus.“

Inzwischen hat die Polizei die Wohnungstür von Jan Mirko L. versiegelt. (mit dpa)