Alexej Nawalny, Oppositionsführer aus Russland. 
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BrüsselVertreter der Nato-Staaten werden an diesem Freitag (4. September) in einer außerplanmäßigen Sitzung über mögliche Reaktionen auf die Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny beraten. Wie das Bündnis am Donnerstagabend mitteilte, wird Generalsekretär Jens Stoltenberg danach eine Erklärung abgeben. Wahrscheinlich ist nach Angaben von Diplomaten, dass die Alliierten die russischen Behörden geschlossen zur lückenlosen Aufklärung des Falles auffordern. Weitergehende Maßnahmen im Nato-Rahmen gelten vorerst als eher unwahrscheinlich – auch weil es bislang keine offenen Schuldzuweisungen gegen mögliche Verantwortliche gab.

Zuletzt hatte die Nato 2018 in Reaktion auf den Nervengiftanschlag gegen den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal sieben Mitarbeiter der russischen Nato-Vertretung ausweisen lassen. Zudem wurde beschlossen, die Maximalgröße der russischen Delegation bei der Nato von 30 auf 20 Personen zu begrenzen.

Direkt vergleichbar sind die Fälle allerdings nicht. Damals hatte sich der Giftanschlag nämlich in Großbritannien ereignet und britische Ermittler hatten klare Hinweise auf die Täter gefunden. Skripal und seine Tochter waren im März 2018 in der englischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in eine Klinik eingeliefert worden. Die offensichtliche Anwendung eines geächteten Nervenkampfstoffes löste damals eine schwere diplomatische Krise zwischen Großbritannien und seinen Verbündeten einerseits und Russland andererseits aus.

Im Fall Nawalny ist nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr lediglich sicher, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift Nowitschok vergiftet wurde. Die Umstände sind weiter unklar. Der Oppositionspolitiker war am 20. August auf einem Flug in Russland plötzlich ins Koma gefallen und erst später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt worden.