Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) hat sich am Donnerstag in einem Positionspapier gegen die gesetzliche Einführung des Wechselmodells für getrennt lebende Eltern als Regelfall ausgesprochen. Damit reagiert der VAMV auf einen Antrag der FDP, der Mitte des Monats kontrovers im Bundestag diskutiert wurde. Die Partei fordert, dass Trennungskinder bei zeitlich gleicher Betreuung bei beiden Eltern leben müssen.

Die Forderung der Freien Demokraten untergräbt jedoch laut VAMV das Kindeswohl, und das steht auch gesetzlich bisher an erster Stelle. „Wie Kinder tatsächlich auf ein Wechselmodell oder zeitlich ausgedehnte Umgangskontakte reagieren und welche Vorteile oder Belastungen sie erleben, darüber bestehen kaum aussagekräftige Forschungsergebnisse“, schreibt der VAMV in seinem aktuellen Positionspapier, das am vergangenen Donnerstag als Reaktion auf den FDP-Antrag veröffentlicht wurde.

Der Verband warnt vor den Folgen einer solchen Familienpolitik: „Einschneidende Veränderungen der bis dato praktizierten Betreuung können Verlusterfahrungen zur Folge haben, die dem Kind emotionale und soziale Ressourcen nehmen, die es gerade bei der Bewältigung dieses kritischen Lebensereignisses benötigt.“

Umgangsrecht nicht der geeignete Ort für Gleichstellungspolitik

Die FDP hingegen meint, das Wechselmodell trage dem „Kindeswohl besser Rechnung“. In ihrem Antrag an den Bundestag geht die Partei allerdings wenig auf die Thematik des Kindeswohles ein.

Die FDP schreibt, die geltenden Regelungen zur Betreuung würden bislang dazu beitragen, „dass einseitig und überholte Rollenbilder gefördert werden“. Die Mutter betreue bisher die Kinder, der Vater zahle den Unterhalt, so die FDP. „Es liegt auch an diesem alten Rollenverständnis, dass Alleinerziehende überdurchschnittlich häufig von Altersarmut betroffen sind“, heißt es weiter. „Beide Eltern sollten berechtigt und verpflichtet sein, sowohl für den Unterhalt als auch für die Betreuung zu sorgen.“

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter antwortet im aktuellen Positionspapier auf den Antrag der FDP: „Ein Betreuungsmodell muss in erster Linie den Bedürfnissen des Kindes und nicht der Gleichstellung der Eltern dienen, weshalb das Umgangsrecht nicht der geeignete Ort ist, um Gleichstellungspolitik zu betreiben.“

Für das Kindeswohl sollten Eltern autonom und individuell entscheiden. In strittigen Fällen müsse eine gerichtliche Entscheidung auf einer Einzelfallprüfung „mit obligatorischer Anhörung der Kinder und Berücksichtigung aller Kriterien des Kindeswohls“ beruhen. Das Wechselmodell, so der VAMV, habe bisher vorausgesetzt, dass beide Elternteile friedlich miteinander kooperieren können und sich nicht im Krieg miteinander befinden.

Gleichzeitig mit dem Antrag der FDP reichte auch Die Linke einen eigenen Antrag zum Wechselmodell im Bundestag ein. Darin fordert sie, die gerichtliche Anordnung des Wechselmodells gegen den Willen oder das Wohl des Kindes gesetzlich auszuschließen.