Berlin - Es ist ja durchaus nicht so, als gäbe es sie nicht, die kompetenten Frauen in der FDP – im Gegenteil: Da wäre zum Beispiel Nicola Beer, Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, die, ebenso wie Lydia Hüskens und Bettina Stark-Watzinger, auch Mitglied des Partei-Präsidiums ist. Für die jüngere Generation der Partei stehen Frauen wie die ehemalige Vorsitzende der Jungen Liberalen (Julis) und aktuelle Beisitzerin im FDP-Bundesvorstand, Ria Schröder, und die Bundestagsabgeordnete Gyde Jensen, die mit 31 Jahren als jüngste Vorsitzende in der Geschichte des Parlaments den Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe leitet.

Trotzdem hält sich das hartnäckige Image der FDP als Männerpartei, nur jedes fünfte Mitglied ist eine Frau. Die Absetzung von Linda Teuteberg als FDP-Generalsekretärin im vergangenen Jahr schien eine zusätzliche Bestätigung dafür zu sein, dass bei den Liberalen vor allem Männer politisch Karriere machen.

Frauen könnten 40 Prozent des FDP-Bundesvorstands stellen

Das könnte sich nach diesem Wochenende ändern. Beim Bundesparteitag, der von Freitag bis Sonntag in überwiegend digitaler Form stattfindet, kandieren etliche Frauen für den Bundesvorstand, unter ihnen auch Gyde Jensen, Ria Schröder und die Berliner Abgeordnete Maren Jasper-Winter. Wenn es gut läuft, könnte sich der Frauenanteil im Vorstand der Liberalen auf 40 Prozent erhöhen.

Die Jungen Liberalen (Julis) wollen zudem erreichen, dass in das Bundestagswahlprogramm, das am Wochenende diskutiert und verabschiedet wird, ein Bekenntnis zum liberalen Feminismus aufgenommen wird. Auch Jasper-Winter unterstützt den entsprechenden Änderungsantrag.

„Wir Freie Demokraten stehen für einen liberalen Feminismus, der auf der Rechtsgleichheit aller Geschlechter aufbaut und für alle Individuen Freiheits- und Entfaltungsräume erweitern will“, heißt es in dem Antragspapier. „Der liberale Feminismus strebt die Selbstbestimmung aller Individuen frei von gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen aufgrund ihres gewählten oder biologischen Geschlechts an.“

Für sie sei das eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sagte Jasper-Winter der Berliner Zeitung. Doch so ausdrücklich habe man das als FDP noch nicht im Programm gehabt. „Ich bin gespannt auf die Diskussion.“

Mit der Frauenquote tut man sich bei den Liberalen schwer

Von Quotenlösungen hingegen hält man in der FDP traditionell wenig. Vor allem den Frauen in der Partei selbst – gerade den jüngeren – ist die Idee zuwider. Eine Frauenquote widerspreche dem parteiinternen Grundsatz des Individualismus und der Chancengerechtigkeit, so das Argument.

Allerdings hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Glaube an gleiche Chancen allein nicht ausreicht, um die Frauen in der FDP nach vorne zu bringen. Vergangenes Jahr gründete Jasper-Winter gemeinsam mit Parteifreundinnen, unter ihnen die frauenpolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Nicole Bauer, ein Frauennetzwerk, das den Freien Demokratinnen zu mehr Sichtbarkeit und Einfluss in der Partei verhelfen soll.

Tatsächlich tat sich die FDP mit feministischen Bekenntnissen in der Vergangenheit nicht allzu leicht, beim FDP-Parteitag im vergangenen Herbst sorgte Parteichef Christian Lindner höchstpersönlich für einen Aufschrei, als er Linda Teuteberg mit einem Witz aus dem Amt verabschiedete, den man nur mit viel gutem Willen nicht als sexistisch bezeichnen konnte.

Dazu kommt, dass ausgerechnet eine der höchsten Führungspositionen aller Voraussicht nach nicht wieder mit einer Frau besetzt wird: Nachdem Katja Suding im Februar erklärt hatte, nicht mehr als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden zu kandidieren, gilt die Wahl des FDP-Rentenexperten Johannes Vogel für dieses Amt als sicher.