Berlin/Düsseldorf - Wenn FDP-Chef Christian Lindner in den vergangenen Monaten vorgehalten wurde, seine Partei sei lediglich eine One-Man-Show, dann wies er das empört zurück. Am Montag stellte die FDP ihre Kampagne für die Bundestagswahl vor, und es dürfte nicht schwer zu erraten sein, wessen Konterfei auf den Plakaten zu sehen ist: Lindner. Lindner mit Fünf-Tage-Bart, offenes weißes Hemd, mal mit und mal ohne Sakko. Darauf angesprochen, reagierte der 38-Jährige gereizt. Ein wenig schlechte Laune sei ihm allerdings zugestanden. Denn am Montag erschien ein Buch seines politischen „Ziehvaters“ Gerhard Papke. Der frühere FDP-Fraktionschef beschreibt Lindner darin als selbstverliebten Opportunisten.

Es ist bei der Vorstellung der Kampagne in einem Museum am Brandenburger Tor in Berlin gleich der erste Fragesteller, der nach der zentralen Rolle Lindners fragt. Doch Lindner antwortet nicht, sondern tut etwas, was nicht sonderlich souverän wirkt. „Gegenfrage. Wie halten es CDU und SPD“, erkundigt er sich bei dem Journalisten, der sich allerdings nicht irritieren lässt: „Die Frage war an sie gerichtet.“ Wortreich begründet Lindner, dass auch CDU und SPD bundesweit ihre Spitzenkandidaten nach vorn stellen würden. „Wir halten es genauso“ – eine fantasielose Antwort für einen, der sich von beiden genannten Parteien absetzen will.

Die vorgestellten Großflächenplakate der FDP unterscheiden sich in der Optik dann allerdings doch von dem, was man sonst von dieser Form der Wahlwerbung gewohnt ist: Neben Lindner, fotografiert in Schwarz-Weiss von Olaf Heine, der auch Musikvideos dreht und mit Rammstein zusammenarbeitet, ist viel Text zu sehen. Auf einem Plakat hat die für die FDP arbeitende Agentur „Heimat“ aus Berlin das gesamte Wahlprogramm abgedruckt. Überschrift: „Denken wir neu.“ Auf anderen Motiven heißt es „Ungeduld ist auch eine Tugend“ Fünf Millionen Euro will die FDP nach eigenen Angaben für die Wahlkampagne ausgeben, die noch durch Online-Werbung in den sozialen Medien oder bei Youtube ergänzt werden soll.

Über 6000 Plakate haben die FDP-Gliederungen bereits bestellt, und das sei „noch nicht das Ende der Fahnenstange“, heißt es aus der Zentrale. Das Parteiprogramm gibt es ebenfalls elektronisch – als Podcast, vorgelesen von Mitgliedern der Parteiführung. Nach den letzten Umfragen kann die FDP damit rechnen, im Bund wieder mitregieren zu können. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die Liberalen bei acht Prozent und die Union bei 40 Prozent – womit eine schwarz-gelbe Regierung möglich wäre. Lindner bekräftigt am Montag zwar, dass die FDP ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehe. Doch seien die inhaltlichen Überschneidungen mit der Union größer als jene mit der SPD.

„Noch eine Chance für die FDP?“

Es dauert nur ein paar Minuten, dann wird auch die Frage nach Gerhard Papke gestellt. Der langjähriger FDP-Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen und politischer Ziehvater Lindners, hat ein Buch mit dem harmlos klingenden Titel „Noch eine Chance für die FDP?“ geschrieben, das seit Montag in den Buchhandlungen liegt. Papke rechnet in dem Buch mit Linder ab, den er schon als Zivildienstleistenden kennen gelernt hatte. Dieser schneide die Partei so stark auf sich zu, dass er sie fast im Alleingang führe. Es sei ein Fehler, die FDP auf „internetaffine Jugendlichkeit“ zu trimmen. Doch Politik sei keine Lifestyle-Inszenierung. Man müsse vielmehr aufpassen, dass die Verpackung nicht wichtiger werde als der Inhalt.

Dazu muss man allerdings auch wissen, dass Papke nach der verlorenen Bundestagwahl 2013 einen rechtsliberalen Kurs einschlagen wollte, was Lindner verhinderte.

Dieser weicht am Montag einer Debatte aus. Nein, er habe kein Exemplar vorab bekommen und das Buch daher noch nicht gelesen, versicherte der Parteichef.