Rom - Der Twitter-Account von Abu_Abdullah_Britani2 ist inzwischen gesperrt. Aber im Netz ist die Drohung noch überall nachzulesen, die der Anhänger der islamistischen Terrormiliz IS unter dem Hashtag #We­_Are_Coming_O_Rome (Wir werden nach Rom kommen) am Samstag verschickte: „Wir werden dich erobern und die Scharia einführen. Wir werden euren schiefen Turm von Pizza nutzen, um die Homosexuellen hinunter zu stürzen“.

Gemeint hatte Britani vermutlich den Turm von Pisa.

Seine Absicht mit der martialischen Botschaft Schrecken zu verbreiten, schlug jedenfalls gründlich fehl. Der Schreibfehler hat in Italien eine wahre Flut heiterer bis selbstironischer Kommentare ausgelöst. „Hey, nur ein Rat: Nehmt nicht den Zug, der ist immer verspätet“, schrieb ein Twitter-Nutzer. „Morgen streiken die öffentlichen Verkehrsmittel – viel Glück!“, scherzte ein anderer. Auch ein Foto des berüchtigten Verkehrsstaus auf dem Autobahnring der italienischen Hauptstadt, dem Grande Raccordo Anulare, wurde unter dem Tag „Wir werden nach Rom kommen“ gepostet, mit dem Kommentar: „Seid ihr sicher?“

Eine Italienerin rät den Islamisten: „Lasst auf keinen Fall Schettino eure Schiffe steuern, er hat die Angewohnheit, immer zu nah an Inseln ranzufahren.“ Vor betrügerischen Taxifahrern, Taschendieben in Neapel und vor den horrend hohen Steuern werden die IS-Kämpfer gewarnt. Außerdem seien ihnen die Fans des holländischen Fußballclubs Feyenoord zuvor gekommen. Die Hooligans hatten sich am Wochenende eine Straßenschlacht mit der Polizei an der Spanischen Treppe geliefert und einen frisch restaurierten Brunnen schwer beschädigt. Zu spät komme die Eroberung Roms auch deshalb, weil die italienischen Politiker das Land sowieso schon kaputt gemacht hätten, schreiben Twitter-Nutzer.

Ein Römer gibt Restaurant-Tipps. „Geht zu Gigi er Puzzone“, empfiehlt er, die Trattoria von „Gigi dem Stinkstiefel“. Andere bestellten im Netz belustigt eine extra Portion Käse zu ihrem «Pizza-Turm». Auch ein Bild der Comic-Römer aus Asterix und Obelix mit der Überschrift „Italienische Spezialtruppen alarmiert durch IS-Drohung“ findet sich.

Bevor sein Account gesperrt wurden, hatte Abu Abdullah Britani2 noch auf den Spott reagiert: „Die Wirklichkeit wird euch erreichen, wenn der IS Rom erreicht“, mahnte er.

Die Wirklichkeit der Terror-Gefahr hat Italiens Hauptstadt, wie auch das übrige Europa, schon seit den Anschlägen von Paris erreicht. Seitdem sind zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz, um etwa Touristenattraktionen, Synagogen und den Vatikan zu schützen. Und seit der IS in Libyen auf dem Vormarsch ist, nur 350 Kilometer von Sizilien entfernt, und in Videos droht, das Mittelmeer mit Blut zu tränken, drängt die Regierung in Rom die Uno zu schnellem politischen Handeln. Die Italiener haben bei all dem ihren Humor nicht verloren. Er ist sowieso die beste Waffe.