Jede Feier kann zum Superspreading-Event werden.
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BerlinEnde des Jahres steht ein Fest ins Haus. Das Kind wird volljährig. Zu anderen Zeiten würde man viele Menschen einladen: Freunde, Familie, entfernte Bekannte. Es wäre ein rauschendes Fest. Es würde getanzt und getrunken. Ein überschäumender Schlusspunkt für eine Kindheit, die zu Ende geht.

So wird es mit Corona nicht werden. Angesichts der Ungewissheit steigender Infektionszahlen. Und in Anbetracht neuer Regeln für private Feiern.

Es gibt aktuell eine verwirrende Vielfalt an derartigen Vorschriften. Während in Berlin ab 50 Personen ein Hygienekonzept erarbeitet werden muss, die Feiernden Mindestabstand halten sollen und die zuständige Senatorin prophylaktisch mit Kontrollen droht, führt Brandenburg eine Obergrenze von 75 Personen ein. In Nordrhein-Westfalen gibt es zu Hause keine Teilnehmerbegrenzung, in Baden-Württemberg dürfen maximal 500 Menschen zusammenkommen, in Hamburg 25. Letztere Zahl wollte der Bund ursprünglich für alle Länder festschreiben.

Das hat nicht geklappt. Aber ist das schlimm? Jede Feier kann zum Superspreading-Event werden. Ist auf einer Party einer infiziert, sind es bald ganz viele. Feiern mit Mindestabstand sind eine Fiktion. Es macht natürlich einen Unterschied aus, ob potenziell von 500 oder 25 neuen Infizierten ausgegangen werden muss.

Aber privat ist besonders. Wenn der Staat dort hineinregiert, muss er besondere Gründe haben. Alles andere wird als Zumutung empfunden. Es kommt darauf an, dass die Bevölkerung die Regeln akzeptiert. Und das wird nur geschehen, wenn sie einen Bezug zu den Verhältnissen vor Ort haben.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschrieb die neuen Corona-Regeln in einer Pressekonferenz am Mittwoch als Ausdruck eines Lernprozesses. Es gehe darum, die richtige Balance zu finden zwischen Infektionsschutz und Alltag. Das klingt vernünftig und ehrlich. Regeln sind sinnvoll als Leitgerüst. Aber der einzige Weg zu ihrer Einhaltung führt über Einsicht und Akzeptanz.