Dessau - Die linke Punkrockband "Feine Sahne Fischfilet" wird bei der Reihe ZDF@Bauhaus nicht im Bauhaus auftreten. Das hat das ZDF auf Anfrage erklärt.  Die Stiftung Bauhaus habe dies schriftlich untersagt, heißt es in einer Erklärung.

"Das ZDF nimmt dies mit Bedauern zur Kenntnis." Man plane aber weiterhin, ein Konzert von "Feine Sahne Fischfilet" zum aktuellen Album und eingebettet in das  Sendungskonzept aufzuzeichnen. Nach einem alternativen Veranstaltungsort werde derzeit gesucht. Ob in Dessau und auch am 6. November, das ließ das ZDF offen.

Zuvor hatte die Dessauer Stiftung Bauhaus das ZDF unter Berufung auf ihr Hausrecht aufgefordert, das geplante Konzert von „Feine Sahne Fischfilet“ abzusagen.

"Feine Sahne Fischfilet" sollte am 6. November im Bauhaus Dessau auftreten

Die linke Punkrock-Band sollte am 6. November im Rahmen der Reihe „ZDF@Bauhaus“ im Welterbe auftreten.  Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Matthias Schuppe hatte die Einladung an „Feine Sahne Fischfilet“ am Mittwoch als „schwer bis nicht nachvollziehbar“ bezeichnet und die Politisierung der Reihe „ZDF@Bauhaus“ kritisiert. Das hatte am Donnerstag schon vor der Absage für das Konzert für heftige Reaktionen gesorgt.

Die Linke-Fraktion im Landtag sah in Schuppes Äußerungen einen „Versuch, politisch Einfluss auf die Programmgestaltung zu nehmen“, so die Linken-Landtagsabgeordneten Henriette Quade und Stefan Gebhardt in einer Pressemitteilung. Das sei ein schwer wiegender Eingriff in die Freiheit von Medien und Kunst und in die Programmautonomie des ZDF.

SPD fordert Verzicht auf Interventionen der Staatskanzlei

„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in seiner redaktionellen Arbeit unabhängig. Politische Äußerungen zu Programminhalten verlangen Fingerspitzengefühl“, so Holger Hövelmann, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Fingerspitzengefühl beweist die Staatskanzlei in diesem Fall am ehesten, indem sie auf ihre Intervention verzichtet.“

Jürgen Trittin von den Grünen kritisierte das Vorgehen von Staatskanzlei und Stiftung Bauhaus auf Twitter. „Wer Feine Sahne Fischfilet aus Dessau verbannt, tritt die Geschichte des Bauhauses mit Füßen.“ Sachsen-Anhalts CDU-Generalsekretär Sven Schulze twitterte dagegen: „Dass im Bauhaus in Dessau auf Einladung des ZDF eine Band auftreten soll, in deren Texten es u.a. heißt ,Die Bullenhelme, die sollen fliegen, eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein’ ist völlig zu Recht nicht akzeptabel! Dieses Konzert muss abgesagt werden!“

Stiftung Bauhaus Dessau stellt seit 2011 die Bauhausbühne für ZDF@Bauhaus zur Verfügung

Die Stiftung Bauhaus Dessau vermietet seit dem Jahr 2011 ihre Bauhausbühne in einer Vertragsbindung mit der Kölner Produktionsfirma TVT Media zweimal jährlich für die Aufzeichnungen der ZDF-Konzertreihe „ZDF@Bauhaus“. Über 100 Konzerte wurde seither aufgezeichnet. „Der Vertrag sieht keine gemeinsame Programmplanung vor“, erklärte Bauhaus-Sprecherin Helga Huskamp am Donnerstag auf MZ-Anfrage. Die Stiftung werde kurz vor Beginn des Vorverkaufs über das jeweilige Künstlerprogramm informiert. Die Programmhoheit und damit die Verantwortung habe das ZDF.

„Das Bauhaus Dessau ist historisch und zeitgenössisch ein Ort für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Nationalität. Politische extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden“, heißt es in einem am Donnerstag verbreiteten Statement des Bauhauses. Darin wird auch an den März 2017 erinnert, als vor dem Bauhaus Dessau ein Aufmarsch von über 120 Neonazis und Rechtsradikalen stattfand. Damals habe es keine rechtliche Möglichkeit einer Gegenwehr gegeben.

Bauhaus Dessau will nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden

Nun würden erneut rechte Gruppierungen mobilisieren, um am Bauhaus gegen das Konzert von „Feine Sahne Fischfilet“ zu protestieren. Auf Facebook hat die rechtstextreme Seite "Patriotisches Köthen" dazu aufgerufen.

Man sei für die Absage, „um nicht erneut zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression zu werden, auch vor dem Hintergrund des Status als Unesco-Welterbe“, teilte das Bauhaus mit und erinnerte zugleich an eine Presseerklärung des staatlichen Bauhauses Weimar vom 29. Januar 1920. Dort hieß es: „Zu den wiederholten Beschuldigungen einer radikal-politischen Parteinahme im Bauhaus haben die Leitung und der Meisterrat schon mehrfach mit der Erklärung Stellung genommen, daß jede politische Tätigkeit im Bauhaus von jeher untersagt war.“ (red.)