Der spanische König Felipe VI. hat sich selbst enterbt.
Foto: AFP/Jaime Reina

MadridFür gewöhnlich achten Königshäuser sehr auf dynastische Kontinuität. Nach dem weitgehenden Machtverzicht in weltlichen, also politischen Belangen, bleibt ihnen nichts anders übrig, als auf ihre Herkunft zu verweisen. Ihr Wohl und Wehe hängt am dünnen Faden der Blutsbande, denn in modernen Zeiten legitimiert sie einzig die lückenlose Thronfolge. Die darf nie in Frage stehen.

Königshaus steht nicht über dem Gesetz

Und doch geht Spaniens König Felipe nun mit allem Nachdruck gegen sie vor, indem er auf das Erbe seines Vaters, das ihm später zustehen würde, verzichtet und König Juan Carlos das Gehalt streicht – zuletzt waren das immerhin rund 195.000 Euro jährlich. So weit ihm das möglich ist, gibt Felipe damit zu verstehen, mit seinem Vorgänger im Königsamt nichts mehr zu tun haben zu wollen.

Auf diese Weise trägt er dem ganz und gar modernen Umstand Rechnung, dass auch ein Königshaus nicht über dem Gesetz steht. Hintergrund sind Ermittlungen der Justiz gegen Juan Carlos, er soll 2008 ein millionenschweres Schmiergeld kassiert haben. Dabei geht es um Konten in der Schweiz, dubiose Stiftungen, eine Überweisung von 100 Millionen Euro des mittlerweile verstorbenen saudischen Königs Abdullah und König Felipe selbst, insoweit er offenbar auf Betreiben seines Vaters als zweiter Begünstigter einer Offshore-Stiftung geführt wurde.

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Vater wird geopfert

Ein imposantes Sündenregister. Und ein paradoxes Unterfangen: Um das Königshaus zu retten, muss König Felipe den dynastischen Faden, an dem auch seine Familie hängt, kappen. Zumindest der Vater muss weg, er wird geopfert. Felipes ungewöhnlicher Schritt ist eine Vorverurteilung des Altkönigs durch den Palast. Juan Carlos ist nicht mehr zu helfen.