Die Feministin Zana Ramadani hat dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck Sexismus vorgehalten. In ihrem neuen Buch „Sexismus. Über Männer, Macht und #Frauen“, das an diesem Mittwoch erscheint, berichtet sie von einem Verhalten Gaucks, das sie als unangenehm empfand. Die Szene, um die es geht, soll sich 2016 im Schloss Bellevue abgespielt haben. Die aus Mazedonien stammende Zana Ramadani war eine von zahlreichen Integrationsexperten, die zu einem Treffen beim Bundespräsidenten geladen worden waren.

In Anspielung auf ihre Arbeit als Aktivistin der radikalfeministischen Gruppe Femen, die in der Öffentlichkeit mit nackten Brüsten gegen die Unterdrückung der Frau protestiert, soll der Bundespräsident sie gefragt haben, ob sie sich im Schloss auszuziehen gedenke. Im anschließen Wortgeplänkel, in dem sie auf ihr kompliziertes Kleid hingewiesen habe, soll Gauck gesagt haben, er könne ihr notfalls helfen. Mit diesen Worten wird er von Zana Ramadani zitiert. Bei einem anschließenden Foto soll er sie umarmt und den Arm auf ihre Hüfte gelegt haben.

Keine Stellungnahme von Gauck

„Ich rechnete fast damit, dass die Hand tiefer rutschte, zum Hintern hin. (…) Ich war unangenehm berührt, aber ich ließ das ,Gaucken‘, wie ich derartiges Betatschen seither nenne, über mich ergehen. Was sollte ich tun? Er war der Bundespräsident“, schreibt Zana Ramadani. Doch obwohl ihr die Situation damals unangenehm gewesen sei, ginge es ihr nicht darum, den ehemaligen Bundespräsidenten im Nachhinein an den Pranger zu stellen, beteuert sie im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Sie habe sein „verwirrendes Verhalten“ ohne Schaden überstanden.

Auf Anfrage der Berliner Zeitung will der frühere Bundespräsident Gauck selbst keine Stellung nehmen. Allerdings äußert sich sein Anwalt, Christian Schertz: „Der Anwurf von Frau Ramadani entbehrt jeglicher Grundlage. Liest man ihren Text genau, steht da lediglich, dass Herr Gauck für ein Foto fotoüblich seine Hand um sie gelegt hat und äußert dann lediglich eine Vermutung in ihrem Text, dass die Hand tiefer rutschen könnte, was aber tatsächlich überhaupt nicht geschehen ist. Vor diesem Sachverhalt von einem ,Grapschen‘ zu sprechen, ist schlicht absurd. Ebenso wirft sie ihm bei genauer Lektüre des Textes gerade nicht vor, sie unsittlich berührt zu haben.“