André Hahn preschte am Dienstag vor. Der linke Bundestagsabgeordnete forderte, den drei Syrern von Leipzig, die den terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr gefesselt und der Polizei übergeben hatten, Asyl zu gewähren. „Das wäre ein ganz wichtiges Signal an alle hilfsbedürftigen und ehrlichen Flüchtlinge“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Bloß ihnen sei es geschuldet, dass der Syrer gefasst wurde, während sich die Polizei nicht mit Ruhm bekleckert habe, als sie den mutmaßlichen Islamisten am Samstag in Chemnitz entwischen ließ.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, schrieb bei Twitter, es stünde Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gut zu Gesicht, die drei ins Ministerium einzuladen und ihnen für ihr mutiges Handeln zu danken. Selbiges tat gestern demonstrativ Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Weder Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) noch de Maizière noch der innenpolitische Sprecher der sächsischen CDU-Landtagsfraktion, Christian Hartmann, hatten es am Montag fertig gebracht, einen solchen Dank auszusprechen. Die Frage ist, ob es so bleibt.

Politiker sprechen von einem Erfolg der Sicherheitsbehörden

Mohamed A. hatte der Bild-Zeitung detailliert erzählt, wie die Sache gelaufen war. Demnach habe al-Bakr am Samstag in einem Online-Netzwerk für Flüchtlinge um einen Schlafplatz gebeten und gesagt, dass er sich am Leipziger Hauptbahnhof befinde. Mohamed A. und zwei Freunde fuhren hin und holten ihn ab. Doch später entdeckten sie bei Facebook ein Foto des Verdächtigen. Nachdem sie sich bei Facebook mit anderen ausgetauscht hatten und sicher waren, dass al-Bakr der Gesuchte sei, fesselten sie ihn. Anschließend fuhr Mohamed A. aufs Polizeirevier. Und weil er kaum Deutsch spricht, zeigte er den Beamten das Foto des Verdächtigen.

Diese brauchten den Mann, der offenbar Kontakte zum „Islamischen Staat“ unterhielt, nur noch abzuholen. Was die verantwortlichen Politiker wiederum nicht hinderte, von einem Erfolg der Sicherheitsbehörden zu sprechen.
Mohamed A., der sich aus Furcht vor Racheakten lediglich von hinten fotografieren ließ, erklärte dem Boulevard-Blatt: „Er bot uns 1000 Euro und 200 Dollar an, wenn wir ihn freilassen. Die hatte er in einem Rucksack, zusammen mit einem Messer.“ Doch der 36-Jährige fügte hinzu: „Ich bin Deutschland so dankbar, dass es uns aufgenommen hat. Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut!“

Aber nicht allein die Syrer von Leipzig wurden aktiv. Ihr Erfolg war so gesehen auch kein Zufall. Tausende Syrer beteiligten sich vielmehr via Facebook an der Fahndung. Mit teilweise übersetzten Fahndungsaufrufen, Foto und Täterbeschreibung sowie der Durchwahl der Polizei, bei der man sich doch bitte umgehend melden solle, sobald man den Verdächtigen gesichtet habe. Die Syrische Gemeinde in Deutschland war ebenfalls mit von der Partie. Hinterher gab es entsprechende Bekundungen der Freude, dass die Festnahme gelang. Das alles war fraglos auch eine Solidaritätsbekundung mit Deutschland und seinen Bürgern – so wie es von den Flüchtlingen sonst gern verlangt wird.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU), sagte dieser Zeitung unterdessen: „Was die drei gemacht haben, ist eine couragierte und sehr anerkennenswerte Leistung. Das kann man auf jeden Fall festhalten. Die Asylanträge sollten rasch, aber normal geprüft werden wie andere Anträge auch. Und sicher wird es auch eine Gelegenheit geben, ihre engagierte Tat angemessen zu würdigen.“ Wie das genau gehen könnte, sagte Heveling nicht.

Das alles setzt de Maizière, der seinen Wohnsitz in Dresden hat und damit in Sachsen zu Hause ist, unter Druck. Und spätestens am Mittwoch ab 12 Uhr wird er sich wohl zur Sache äußern müssen. Denn dann gibt der Bundesinnenminister gemeinsam mit dem Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, die Asylzahlen für das 3. Quartal bekannt. Ganz gewiss wird der CDU-Politiker dabei nach der Festnahme von Leipzig und ihren Konsequenzen gefragt werden.