Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons überreicht dem Sohn des freiwilligen Feuerwehrmannes Geoffrey Keaton den Orden für den Vater. Er war im Kampf gegen die Waldbrände ums Leben gekommen. 
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SidneyDie Uniformjacke mit Orden und Plaketten behängt, würdevoll und gefasst. Aber Shane Fitzsimmons schämt sich seiner Tränen nicht. Der Chefkommandant des Rural Fire Service (RFS) des australischen Bundesstaats New South Wales spricht bei der Trauerfeier für einen der Brandlöscher, die bei den apokalyptischen Buschfeuern ums Leben gekommen sind, kniet nieder und heftet dem kleinen Sohn des toten Mannes eine Tapferkeitsmedaille ans Hemd. Bei Pressekonferenzen hält er inne, um seine aufwallenden Gefühle hinunterzuschlucken.

Wenn der Herr über 1000 Berufs- und 70.000 freiwillige Feuerwehrleute vor den Medien steht, trifft er stets den richtigen Ton, nennt Fakten und Zusammenhänge des Infernos. Ein Mann der klaren Worte, der sich auch nicht davor scheut, Australiens Premierminister Scott Morrison verbal zu watschen. Als der Regierungschef die Abkommandierung von 3000 Soldaten zur Unterstützung der Feuerwehren ankündigte, ohne die Chefkommandanten der Bundesstaaten darüber zu informieren, sagte der Fünfzigjährige: „Es war sehr enttäuschend, das aus den Medien zu erfahren.“ Dies sei „ein Mangel an professionellem Umgang“. Morrisson hat sich entschuldigt. 

Shane Fitzsimmons wird als Held gefeiert

Shane Fitzsimmons verkörpert er alles, was Morrison bei der Bewältigung der Krise abgeht: Kompetenz, Besonnenheit und Einfühlungsvermögen. In den Medien wird der rundliche Mann mit der Glatze als Held gepriesen, als leuchtendes Beispiel.

Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons muss den Tod eines Feuerwehrmannes verkünden. 

Keiner, sagen Kollegen, versteht die Opfer der Tragödie besser als Fitzsimmons, weil er selbst solch einen Verlust erlitten hat. Sein Vater George, ebenfalls ein Feuerwehrmann, starb vor 20 Jahren bei einem Einsatz. Schon seit 2007 ist Fitzsimmons Feuerwehrchef von New South Wales. Immer, wenn es brennt, steht er an vorderster Front.

Seit drei Monaten, sagt der Vater zweier erwachsener Töchter, „verbringe ich mehr Zeit mit der Ministerpräsidentin von New South Wales als mit meiner Frau“. Scott Morrison urlaubte derweil in Haiwaii. Der Feuerwehrchef erklärt, warum der Klimawandel das Leben in Australien zerstört, Morrison feiert mit Dollarzeichen in den Augen den Abbau von Kohle. Ein Kontrastprogramm mit nur einem Helden.