Berlin - Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat weitere Kredite für Griechenland in Aussicht gestellt, beharrt aber auf einer Umstrukturierung der Schulden des Landes. Ein solcher Schuldenschnitt  traf bislang allerdings auf den Widerstand der Bundesregierung.

Zum einen müsse Griechenland Pläne für Einsparungen und Reformen vorlegen, sagte Lagarde am Mittwoch beim amerikanischen Brookings-Institut. „Die andere Säule jedoch ist die Restrukturierung der Schulden, die wir für eine Nachhaltigkeit der griechischen Schulden für nötig halten.“ Ende vergangener Woche, kurz vor dem griechischen Referendum, hatte der IWF eine Schuldentragfähigkeitsanalyse vorgelegt. Dort plädierte er für eine Verlängerung der Laufzeiten für die griechischen Kredite auf bis zu 40 Jahre und einen späteren Beginn der Rückzahlungen. Insgesamt liefe dies laut IWF auf einen Schuldenschnitt von 30 Prozent hinaus.

Ein Schuldenschnitt wird von der Regierung in Athen seit langem gefordert, wurde insbesondere von der Bundesregierung, Griechenlands größtem Gläubiger, aber stets abgelehnt. „Ein klassischer Haircut kommt nicht infrage“, sagte Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstag in Sarajevo und ließ damit allerdings offen, ob sie den vom IWF geforderten Fristenverlängerungen zustimmen würde.

„Keine Vorzugsbehandlung“

Lagarde unterstrich die Bereitschaft des Fonds, weitere Kredite zu geben. „Der IWF bleibt der Suche nach einer Lösung, um in Griechenland Stabilität und ein tragfähiges Schuldenniveau wiederherzustellen, voll verpflichtet.“ Gleichzeitig warnte sie jedoch, Griechenland könne „keine Vorzugsbehandlung“ erwarten. Das bedeutet, dass das Land derzeit keine IWF-Kredite erhalten kann, da es vor einigen Tagen eine Rückzahlung von 1,5 Milliarden Euro an den Fonds nicht leistete.

Die Regierung in Athen hat den Euro-Rettungsfonds ESM um ein weiteres Kreditprogramm gebeten. Nun muss sie eine umfassende Liste mit Spar- und Reformmaßnahmen vorlegen, über die auf dem EU-Gipfel am Sonntag diskutiert werden soll. Die wirtschaftliche und soziale Lage im Land verschärft sich zusehends. Da die Europäische Zentralbank (EZB) keine zusätzlichen Notkredite an die griechischen Banken gestattet, musste  Athen vor zehn Tagen Kapitalverkehrskontrollen einführen, Auslandsüberweisungen und Geldabhebungen der Bankkunden beschränken. Diese Kontrollen sollen solange aufrechterhalten werden, bis ein „angemessenes Hilfspaket für Griechenland von allen Partnern“ beschlossen worden sei, sagte am Donnerstag Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der auch im EZB-Rat sitzt. Einigen sich Griechenland und seine Gläubiger nicht auf ein neues Programm, so könnte die EZB die Notkredite gänzlich stoppen und damit den Zusammenbruch des griechischen Banken- und Zahlungssystems herbeiführen.