Bislang reine Männersache: Das sogenannte Ausfischen des Memminger Stadtbachs.
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MemmingenFrauenrechte und Gleichberechtigung: Viel wird diskutiert, wenig umgesetzt, denn die Männer wollen nicht weichen. Doch jetzt ist eine weitere maskuline Bastion gefallen: Frauen sollen künftig am Höhepunkt des Memminger Fischertags den Stadtbach ausfischen dürfen. Wie das Amtsgericht der Stadt im Allgäu am Montag urteilte, ist der Ausschluss von Frauen aus der Gruppe der Stadtbachfischer durch den veranstaltenden Verein eine unzulässige Diskriminierung. Geklagt hatte ein weibliches Mitglied. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (Az. 21C952/19).

Richterin Katharina Erdt betonte am Montag, der gemeinnützige Verein mit rund 4500 Mitgliedern habe in Memmingen eine besondere soziale Machtstellung inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden. Eine männliche Tradition sei kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Der Vereinsvorstand hatte den Ausschluss von Frauen vom Höhepunkt des Volksfests mit der Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums begründet.

Ein erster Sieg: Die Klägerin Christiane Renz vor dem Amtsgericht Memmingen.
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Der Fischertag in Memmingen zieht jedes Jahr Zehntausende Besucher in die Stadt. Wichtigster Bestandteil des Traditionsfests ist das Ausfischen des Stadtbaches. Wer den schwersten Fisch erwischt, darf sich ein Jahr lang „Fischerkönig“ nennen. Nach Einschätzung des Fischertagsvereins ist das die höchste Ehre im Leben eines echten Memminger Mannes. Den Frauen bleibt die Rolle vorbehalten, am Rand als „Kübelmädle“ die gefangenen Fische zu bewachen. Eben das, so die Überzeugung des Gerichts, sei diskriminierend

Die juristische Auseinandersetzung dürfte mit dem Urteil jedoch noch nicht beendet sein. Der Fischertagsverein hatte zuvor angekündigt, im Fall einer Niederlage die nächsthöhere Instanz anzurufen. (mit dpa)