WashingtonLagen die Demoskopen in den USA wieder daneben? Sah es in den Umfragen nicht so aus, als wäre es quasi abgemacht, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahlen klar verlieren und der Welt eine Hängepartie erspart bleiben würde?

Nicht unbedingt, würde der bekannteste Augur des Landes sagen, der 42-jährige Nate Silver. Noch Anfang der Woche stufte sein Statistikportal FiveThirtyEight Trumps Herausforderer Joe Biden vom „klaren Favoriten“ zum „Favoriten“ herunter, und Silver mahnte: „Ich bin hier, um Sie daran zu erinnern, dass Trump noch immer gewinnen kann.“ Zwar führe Biden in allen entscheidenden Wechselwählerstaaten – mit Margen jedoch, die in nahezu jedem davon innerhalb der Fehlertoleranz lägen. In die Wahlnacht verabschiedete er sich mit der finalen Vorhersage, Biden habe zwar weiterhin die besseren Chancen – das allerdings auf einem „schmalen Grad zwischen Erdrutsch und Nägelkauen“, bis die letzte Stimme ausgezählt ist.

Silver, der aus East Lansing in Michigan stammt, begann als Datenanalyst für Sportwetten. Zur Präsidentschaftswahl 2008 veröffentlichte er erstmals seine ebenfalls auf statistischen Analyseverfahren beruhende Wahlprognosen – und sagte den Ausgang mit nur einer Ausnahme in allen Bundesstaaten korrekt voraus. Schon ein Jahr später tauchte er erstmals in der „Time“-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt auf.

Inzwischen gehört die Domain FiveThirtyEight.com, die er nach der Anzahl der Wahlmänner benannte, die über die Präsidentschaft entscheiden, zu ABC News, einem Tochterunternehmen des Disney-Konzerns, und Silver ist Chef eines 20-köpfigen Teams aus Journalisten und Programmierern, das mit seinen statistischen Analysen neben der Politik vor allem den Sport, aber auch Wissensschafts- und Gesellschaftsthemen abdeckt.

Zu seiner Prognose für diese Wahl, die womöglich erst vor Gericht entschieden wird, steht er selbstverständlich noch immer: zehn Prozent Gewinnchance für Amtsinhaber Trump. So groß, sagt er, sei auch die Regenwahrscheinlichkeit in Downtown Los Angeles. „Und es regnet dort tatsächlich manchmal.“