Glückliche Kühe gibt es vor allem in der Werbung.
Foto: Imago

BerlinEs gibt mal wieder einen Lebensmittelskandal in der Fleischindustrie. Daher sieht man diese Umfragen zur Zeit wieder häufiger im Fernsehen: Reporter fragen zufällig ausgewählte Leute in den Fußgängerzonen des Landes, ob sie mehr Geld für ihr Schnitzel zahlen würden, wenn sie wüssten, dass die Tiere dafür nicht gequält wurden und in den Fabriken annähernd menschenwürdige Bedingungen herrschen.

Die meisten sagen dann, dass sie mehr zahlen würden, aber zu teuer dürfte es nicht werden. In der Regel ist das Gespräch an dieser Stelle schon wieder zuende, aber die Information ist dennoch eindeutig. Durch eine merkwürdige Verkettung von Ursache und Wirkung sind nämlich wir Verbraucher Schuld, dass in Deutschland massenhaft minderwertiges Fleisch angeboten wird.

Es gibt zig Gütesiegel und Bioetiketten und doch vor allem diese Wahrheit: 90 Prozent des Fleisches, das in Deutschland gekauft wird, erfüllt gerade mal die gesetzlichen Mindeststandards. Das bedeutet, dass etwa ein ausgewachsenes Schwein weniger als einen Quadratmeter Platz im Stall hat. Die Umstände seiner Schlachtung sind dabei noch gar nicht mit einbezogen. Fragt man die Hersteller, hört man, dass die Kundschaft das ja so will, sonst würde sie es ja nicht kaufen. Mit dieser kruden Logik kommen sie seit Jahrzehnten durch.

In unserem Land wurde – nach langem Streit und gegen den erbitterten Widerstand der Wirte – das Rauchverbot in Gaststätten eingeführt. Man hat die Autohersteller verpflichtet, Katalysatoren in ihre Autos einzubauen und Sicherheitsgurte. Von beidem war die Industrie nicht begeistert, aber die Vorgaben kamen dennoch.

Nur beim Essen scheinen Mindeststandards unwichtig zu sein. Die Landwirtschaftsministerin brutzelt in einer Kochshow Billigfleisch und setzt ansonsten bei jeder Verbesserung auf Freiwilligkeit. Der Dumme ist der Normalo, der immer noch davon ausgeht, dass das, was in Deutschland erlaubt ist, auch in Ordnung sein muss. Doch das ist es nicht und immer mehr merken das. Es wird Zeit für neue Gesetze.